Soziale Netzwerke: Unser Freund und Feind?

Soziale Netzwerke sind seit einigen Jahren nicht mehr aus dem Internet wegzudenken. Mittlerweile ist es für die meisten von uns total selbstverständlich geworden, dass wir Profile in allen möglichen bunten Netzwerken haben – wer bewusst darauf verzichtet, wird oft (im besten Fall) mitleidig belächelt. „Du bist nicht auf XX? Wie soll ich dich denn dann erreichen?“ ist wohl eine Aussage, die fast jeder halbwegs digital aktive Mensch schon irgendwann einmal gehört hat (XX in diesem Satz einfach durch das Netzwerk eurer Wahl ersetzen ;)).

WordCloud SocialMedia

by tagxedo.com

Meldet man sich erst einmal an, ist am Anfang alles toll, neu und ungewohnt. Verständlich, dass man viel Zeit aufwendet, sich umzusehen, sich mit seinen Freunden zu verbinden und regelmäßig Statusupdates oder Fotos zu veröffentlichen. Worauf ich aber hinaus will, ist folgendes: Diese Netzwerke brauchen Zeit, viel Zeit. Zeit, die wir eigentlich oft nicht haben und Zeit, die auf Kosten anderer Dinge abgezweigt wird. Langsam, aber sicher gewöhnt man sich daran, tagtäglich „Neuigkeiten“ aus den Netzwerken abzurufen, nachzusehen, was es Neues von den Freunden gibt. Vorallem wir netz-affinen und neugierigen Menschen fallen rasch in diese Gruppe – zumindest solange, bis man dezent von anderen daran erinnert wird, dass es da noch was anderes gibt als das Handy 😉 …

Die Versuchungen sind tagtäglich um uns herum – und ist nicht jeder von uns irgendwie immer noch auf der Suche nach der perfekten Möglichkeit, um mit Freunden zu kommunizieren? Wer wie ich im Umfeld des Internets außerdem seine Brötchen verdient, schaut sich schon aus beruflichen Gründen immer wieder neue Netzwerke an, meldet sich an und testet sie aus. Das Ende der Geschichte: Man meldet sich bei unzähligen Social Media Diensten an, vernetzt sich – meistens mit denselben netz-affinen Menschen aus seinem Umfeld – und nutzt die Dienste, mal mehr, mal weniger.

Vor ein paar Tagen habe ich – eigentlich aus Langeweile – mal die Apps auf meinem iPad gezählt, die mit meinen sozialen Aktivitäten zu tun haben. Das vorläufige Ergebnis: 10 13 Dienste (den elften Dienst habe ich schlussendlich auf meinem Handy entdeckt, den zwölften beim Lesen eines Artikels über Facebook-Alternativen, auf den dreizehnten hat mich Björn hingewiesen):

  • Facebook
  • Twitter
  • Google+
  • Tumblr
  • Foursquare
  • Path
  • Pinterest
  • Flickr
  • XING
  • LinkedIn
  • Instagram
  • Diaspora
  • App.net

Manche dieser Dienste nutze ich unter meinem richtigen Namen, manche auch unter Pseudonym – aber das Ergebnis bleibt dasselbe. Erste Reaktion: Wie konnte es bloß soweit kommen? Und was hat mich geritten, mich da überall anzumelden? Gut, da ist einmal die bereits weiter oben zitierte Neugier. Darüber hinaus ist wohl auch das Buch eines gewissen PR-Bloggers schuld, der vor ein paar Jahrendarüber geschrieben hat, dass man im Netz sogenanntens „Selfmarketing“ betreiben soll. Heutzutage kein Thema, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte, da es ja wirklich sehr einfach geworden ist, sich unter fremdem Namen irgendwo zu registrieren und Verleumdungen zu posten. Das Bekenntnis zur Klarnamenpflicht in diversen Netzwerken hat nichts daran geändert.

Aber zurück zu den von mir aufgelisteten Diensten. Bezogen auf die Summe an sozialen Netzwerken, die insgesamt im Netz existieren, ist das wenig. In der Zwischenzeit kann ich das relativ gut beurteilen (denke ich), da ich für meine Arbeit permanent auf der Suche nach neuen Netzwerken bin. Mein privater Alltag sieht derzeit so aus, dass ich bestimmten Netzwerken den Vorzug gebe (wobei dies immer wieder mal wechselt :D). Bei Facebook bin ich teils beruflich, teils privat am meisten anzutreffen, während ich bei XING und LinkedIn eher selten angemeldet bin. Bei XING noch eher als bei LinkedIn, weil es zumindest wegen des Fokus auf den deutschsprachigen Raum mir „näher“ liegt als das international orientierte LinkedIn. Auch Foursquare nutze ichderzeit eher stiefmütterlich. Gründe gibt es dafür viele, einerseits, weil ich nicht mag, andererseits, weil ich die Zeit nicht habe und/oder mir sie nicht nehmen will.

Was mich dabei aber regelmäßig fasziniert, wie die Leader der jeweiligen IT-Branchen es beherrschen, überall regelmäßig aktiv zu sein. Am deutlichsten sehe ich das immer dann, wenn ich in meine wenig genutzten Netzwerke hineinschaue: Es gibt Leute, mit denen ich befreundet bin / denen ich folge oder die ich eingekreist habe, die sind – gefühlt – 24 Stunden am Tag online und posten Meldungen, Links, Fotos etc. Und jedes Mal stelle ich mir dann die Frage, wie diese Leute das machen. Woher haben diese Leute so viel Zeit? Haben sie keinen Beruf? Oder haben sie so ein herausragendes Zeitmanagement, das sich mir bisher nicht erschlossen hat? Wie macht man das, überall zu posten, auf Fragen zu reagieren, in Communities an Diskussionen teilzunehmen? Wenn ich alle meine Netzwerke gleichermaßen oft nutzen wollte, schätze ich, müsste ich pro Tag sicherlich zwei bis drei Stunden an Zeit investieren …

Jetzt die Frage an euch da draußen: Wo seid ihr aktiv? Welche Netzwerke nutzt ihr? Und habt ihr vielleicht Tipps für mich, wie man seine sozialen Aktivitäten so gestalten kann, dass man nicht das Gefühl hat, dass entweder Online- oder Offline-Welt zu kurz kommen?

3 Gedanken zu „Soziale Netzwerke: Unser Freund und Feind?

  1. Isabel

    Also ich hab leider keinen Tipp für dich wie man Online und Offline optimal verbindet 😉 Außer vielleicht soziale Netzwerke ganz gezielt zu nutzen um schnell Offline Treffen zu vereinbaren und nicht darin zu versinken. Aber das ist leichter gesagt als getan!

    Ich bin bei jedem Netzwerk, das du gepostet hast, dabei – außer bei App.net. Allerdings habe ich mittlerweile auf ganz viele Accounts verwaisen lassen, tatsächlich und fast täglich nutze ich:
    – Facebook (geschätzt 1 Stunde pro Tag)
    – Twitter (geschätzt 10 Minuten pro Tag)
    – Pinterest (geschätzt 10 Minuten pro Tag)
    – Tumblr (geschätzt 10 Minuten pro Tag)
    – Foursquare (geschätzt 5 Minuten pro Tag)

    Antwort
  2. Judith Ratajczak

    Auf die Frage: „Wie macht man das, überall zu posten,…“ Mobil: morgens beim Frühstück oder beim Warten auf die Straßenbahn (dazu zähe ich), wenn einem langweilig ist, spontan in der Stadt…….wobei ich nicht zu denjenigen zähle, die hyperaktiv in den Sozialen Medien aktiv sind 😉

    Antwort
  3. hzirl Autor

    Ich glaube, ich werde nicht darum herumkommen, Schwerpunkte bei meinen sozialen Aktivitäten zu setzen und ein paar dieser Profile zu entfernen. Einfach ein wenig entrümpeln und mich auf die Netzwerke konzentrieren, wo ich wirklich aktiv bin 🙂 .

    Antwort

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