Schlussverkauf und Modewahnsinn

Wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich noch nie ein großer Freund von Modetrends war – zumindest auf Kleidung bezogen. Ich glaube, mein Problem ist meine Grundeinstellung zum Thema Mode: Ich sehe nicht ein, warum mir irgendwo auf der Welt ein paar zum Teil sehr weltfremd wirkende Designer vorschreiben wollen, was aktuell Trend ist und was nicht. Und die größte Qual ist für mich persönlich die Tatsache, dass man bei uns eine Zeit lang nichts anderes zu kaufen bekommt. Wenn man aus irgendeinem Grund diese Dinge nicht kaufen will, ganz gleich, ob es um Kleidung, Taschen oder Schuhe geht, hat man einfach Pech gehabt. Man kann dann eigentlich nur abwarten, bis der Trend wieder vorübergegangen ist – und wenn man richtig Pech hat, kann das schon mal zwei oder drei Jahre dauern.

Ich gebe zu, dass mir diese Entwicklung erst in den letzten Jahren so richtig aufgefallen ist, weil ich die „Szene“ (Nennen wir es in Ermangelung eines besseren Ausdrucks einmal so) schon eine Zeit lang beobachte. Was sich mir persönlich am wenigsten erschließt, ist die Tatsache, dass der Modezirkus so unbeirrbar den Jahreszeiten folgt: Gibt es mittlerweile noch irgendeinen Grund, warum wir im Winter immer dunkle und gedeckte Farben tragen müssen, während nur dem Frühling und dem Sommer die leuchtenden Farbtöne vorbehalten sind? Der Wechsel von der Winter- zur Frühjahrskollektion führt es aktuell wieder sehr deutlich vor Augen:

Winterfarben Sommerfarben

Das Foto links zeigt die Winterstiefel (schwarz!) und rechts sind bereits die ersten Schuhe, die jetzt im Frühling kommen werden, zu sehen. Und: Diese beiden Bilder sind bei ein- und demselben Geschäft entstanden, daher ist der Unterschied besonders krass …

Was sich ebenfalls sehr stark verändert, ist die Nachhaltigkeit. Bilde ich es mir nur ein oder haben Jacken, Kleider und Schuhe früher einfach länger gehalten? Heute zahle ich vielleicht weniger für diese Dinge, dafür wird die Qualität aber immer schlechter. Tiefpunkt war der vorige Sommer, wo ein paar Sandalen bereits nach wenigen Malen Tragen mehr oder weniger kaputt war (In dieses Geschäft gehe ich aus diesem Grund auch nicht mehr). Ich bin einfach nicht der Typ, der sich jedes Jahr was Neues kaufen möchte, dafür nervt mich der ganze Wirbel in den Geschäften meist viel zu sehr.

Was hinzukommt, ist die Tatsache, dass die Schlussverkäufe jedes Jahr immer früher anfangen (müssen?). Vergangenes Jahr habe ich die ersten „Pre-Sale“ Schilder schon vor Weihnachten gesehen. Gut, das Wintergeschäft kann aufgrund des sehr warmen Winters (Wer braucht da schon wirklich dicke Mäntel und Schuhe) nicht sehr gut gegangen sein, aber letzten Endes schneiden sich doch alle Händler damit ins eigene Fleisch. Welcher Konsument kauft denn unter diesem Gesichtspunkt noch zu regulären Preisen Kleidung ein? Vor allem wenn man weiß, dass die Sachen immer früher runtergesetzt verkauft werden? Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird es irgendwann wohl gar keinen normalen Verkauf mehr geben – und Schlussverkauf ist das ganze Jahr über. Und ob das nun wirklich so gut für die Wirtschaft ist? Ich kann es mir nicht vorstellen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s