Der Duden – Ein Stück (Sprach)Geschichte

Ich glaube, fast jeder hat dieses Buch während seiner Schulzeit gleichzeitig geliebt und gehasst: Der Duden ist aber auch ein faszinierendes Stück Geschichte der Entwicklung unserer schönen Muttersprache, wie mir erst vor kurzem deutlich bewusst wurde (Neben dem österreichischen Wörterbuch natürlich, das wollen wir an dieser Stelle nicht vergessen, aber darum geht es in meinem Beitrag heute nicht).

Angefangen hat alles damit, dass ich vergangene Woche für einen Freund, der im Stil alter Groschenromane Gruselgeschichten schreibt, zwei Texte Korrektur gelesen habe. Die besondere Herausforderung dabei war die Vorgabe, dass die Texte im Frühjahr in alter Rechtschreibung erscheinen sollen. Also die Form von Rechtschreibung, die wir mittlerweile sehr erfolgreich abgeschafft haben – was auch schon wieder fast 20 Jahre her ist. Meinereiner hatte das „Vergnügen“, sich noch die ganze Schulzeit durch mit diesen „netten“ Rechtschreibregeln plagen zu dürfen. Aber zurück zum Thema „Alte Rechtschreibung“: Mit Hilfe eines geliehenen alten Donauland-Wörterbuchs aus dem Jahr 1967 habe ich es schlussendlich geschafft, mich der alten Rechtschreibung nach bestem Wissen und Gewissen anzunähern. Und Ebay sei Dank, in der Zwischenzeit habe ich mir einen alten Duden aus dem Netz besorgt – damit wird’s dann auch in Zukunft keine Probleme mehr geben 🙂 .

Neuer Duden - alter Duden

Links die 24. Auflage aus dem Jahr 2006, rechts die 20. Auflage – der sogenannte „Einheitsduden“ – aus dem Jahr 1991

Am Ende meiner Korrektur-Arbeit hatte ich ein faszinierendes Aha-Erlebnis, was mir recht deutlich vor Augen geführt hat, wie sehr die neue Rechtschreibung mittlerweile in meinem (beruflichen) Alltag angekommen ist. Ich erinnere mich nämlich noch sehr gut, wie ich mir damals dachte, was für ein Blödsinn die neue Rechtschreibung doch wäre. Und jetzt? Jetzt denke ich mir, dass die alte Rechtschreibung doch eigentlich Blödsinn war 😀 . Kleines Beispiel gefällig? Besonders die ss- und ß-Schreibung war früher wirklich unlogisch, man kann es nicht anders nennen. Bis 1996 haben wir gehaßt und dem Haß Ausdruck verliehen, aber sonst haben wir „hassen“ geschrieben. Heute dürfen wir wenigstens einheitlich hassen und müssen uns hier nicht mehr den Kopf über ß und ss zerbrechen (siehe die beiden Fotos unterhalb).

Und noch etwas hatte die Arbeit zur Folge: Ich habe mir mal etwas genauer die Herkunft des Dudens angesehen. Benannt ist es nach Konrad Duden, einem deutschen Philologen aus dem 19. Jahrhundert. Ursprünglich hieß es aber „Vollständiges orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“, als es 1880 das erste Mal erschien. Die Umbenennung in das einfache „Duden“ erfolgte erst mit der neunten Auflage, die 1915 herauskam. Heute gilt Konrad Duden als Wegbereiter der deutschen Einheitsrechtschreibung (Zitat: Meyers Taschenlexikon, aus dem ich auch diese Infos habe).

Durch die Trennung von Ost- und Westdeutschland erschien der Duden lange bei zwei verschiedenen Verlagen – einmal in Mannheim und einmal in Leipzig. Erst nach dem Fall der Mauer erschien der Duden wieder mit einer einheitlichen Schreibung für Gesamtdeutschland – diese Auflage aus dem Jahr 1991 nennt man heute auch laut Wikipedia den „Einheitsduden“. Mit dem Erscheinen der 21. Auflage aus dem Jahr 1996 – dem „Reformduden“ – gingen schließlich 95 Jahre „Alte Rechtschreibung“ unwiederbringlich zu Ende … Alte Duden aus dem 19. Jahrhundert sind damit in meinen Augen zu einem Sück (Zeit)Geschichte geworden, das uns sehr schön zeigt, wie sehr sich unsere Sprache im Lauf der letzten 100 Jahre verändert hat. Wie es weitergeht, wird die Zeit zeigen: Nichts erhitzt auf jeden Fall unsere Gemüter so schnell, wenn es Veränderungen gibt – und sei es auch nur bei der ungeliebten Rechtschreibung 😉 .

4 Gedanken zu „Der Duden – Ein Stück (Sprach)Geschichte

  1. TomInMuc

    Ich habe den Duden eigentlich nie gehasst. Und verwende ihn heute noch gerne. Manche Schreibweisen kann ich mir einfach nicht merken, da ich teilweise zu sehr in der alten verhaftet bin. Ich schreibe aber heute noch Schiffahrt und nicht Schifffahrt! Weil ich es affig finde! 🙂

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  2. Henriette Autor

    @Tom: Das „gehasst“ war auf korrekte Rechtschreibung bezogen :). Ich weiß ja nicht, wie es dir dabei gegangen ist, aber wir hatten da einen recht peniblen Deutschprofessor …

    Antwort
  3. Michael Neumayr

    Mir geht es so mit alten Postkarten, die ich leidenschaftlich sammle. Abgesehen von den Motiven und den Briefmarken, finde ich es immer wieder spannend die Formulierungen zu lesen. Heute gehört die Postkarte zur aussterbenden Art.

    Antwort
    1. Henriette Autor

      Ich habe mir seinerzeit im Grazer Stadtmuseum diese Ausstellung über die Stadt angesehen, die komplett mit Postkarten gestaltet war. Im Grunde ist sie ein Stück Geschichte, das im digitalen Zeitalter nach und nach mit der noch(!) Karten schreibenden Generation aussterben wird. Ich sehe es ja an mir selbst, ich schreibe mittlerweile nur noch ganz selten welche – und noch viel seltener bekomme ich welche von anderen Leuten aus meinem Familien- und Freundeskreis.

      Antwort

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