Aberglaube und Geisternächte

Dank Monika Meurer bin ich auf die Blogparade des Joanneums zum Thema „Aberglauben“ gestoßen. Am Anfang wusste ich noch nicht so recht, worüber ich in diesem Zusammenhang schreiben wollte, zuviele ungenaue Gedankenfetzen gingen mir dazu durch den Kopf … Wobei meine Neugier natürlich geweckt war – und wenn etwas meine Neugier weckt, greife ich gern mal zum Duden. Warum? Weil die erste Frage, die in meinem Kopf auftauchte, war, ob es nun eigentlich „Aberglauben“ oder „Aberglaube“ heißt. Das Wörterbuch verriet mir, dass es im deutschen Sprachraum beide Formen gibt, „Aberglauben“ aber die seltenere ist. Interessant wäre an dieser Stelle wieder mal zu wissen, ob „Aberglauben“ quasi die österreichische Variante ist … Leider habe ich mein österreichisches Schulwörterbuch nicht mehr, aber vielleicht weiß es jemand von euch?

Gluecksbringer

Interessant fand ich auch den etymologischen Hinweis zu dem Wort: Die Silbe „aber“ hatte früher auch die Bedeutung von „falsch“ bzw. „schlecht“. In ähnlicher Bedeutung taucht „aber“ auch in „Abersinn“ und „Aberwitz“ auf (Deswegen wohl auch der Titel der Ausstellung Aberglauben – Aberwissen. Welt ohne Zufall?). Aberglaube meint als einen Glauben, der falsch/schlecht war. Aberglaube hat sich damit dank der katholischen Kirche, die alte heidnische Sitten als schlecht und verwerflich bezeichnete, als Gegenpol zum wahren und einzigen Glauben manifestiert (Hier gilt mein Dank Bloggerkollege Hans, der in seinem Beitrag „Aberglaube – Wahrheit oder Hirngespinst“ ein wenig zur Definition des Begriffs geschrieben hat).

Lustig finde ich in dem Zusammenhang, dass wir heute, obwohl wir uns selbst als aufgeklärte und rationale Menschen bezeichnen, alle noch immer dem Aberglauben anhängen – zum Teil wissen wir es halt nicht mehr, weil gewisse Rituale zu einem Teil unseres alltäglichen Lebens geworden sind. Beispiele könnte ich jetzt viele anführen, am Interessantesten fand ich allerdings die Raunächte, weil ich mehr oder weniger mit dem Satz „In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr darfst du keine Wäsche aufhängen, weil sich sonst darin die Geister verfangen“ aufgewachsen bin 😀 … Und das obwohl sonst keiner bei uns sich wirklich vor schwarzen Katzen, an der Wand lehnenden Leitern oder ähnlichem gefürchtet hat.

Okay, was sind jetzt die Raunächte? Ich darf aus der Wikipedia zitieren:

Die Rauhnächte (auch Raunächte oder Rauchnächte), zwölf Nächte (auch Zwölfte), Glöckelnächte, Innernächte oder Unternächte sind einige Nächte um den Jahreswechsel, denen im europäischen Brauchtum oft besondere Bedeutung zugemessen wird. Meist handelt es sich um die Zwölf Weihnachtstage – zwischen Weihnachten (25. Dezember) und Erscheinung des Herrn (6. Januar) – aber auch andere Zeiträume, beispielsweise zwischen dem Thomastag und Neujahr, kommen in Frage.

Die Website verrät uns auch, dass die Herkunft der Raunächte durch die unterschiedliche Länge von Mond- und Sonnenjahr stammt. Da ein Mondjahr 354 Tage hat, bleibt ein Unterschied zum wirklichen Jahresende – diese restliche Zeit sind laut Wikipedia die sogenannten toten Tage, elf Tage bzw. zwölf Nächte, die zur Korrektur auf ein Sonnenjahr eingeschoben wurden. In dieser Zeit sollen die Kräfte der Natur außer Kraft gesetzt sein und die Grenzen zwischen den Welten verblassen. Kein Wunder also, dass unsere Vorfahren der Meinung waren, dass dies die ideale Zeit für Geister und Dämonen sei, um bei der sogenannten „wilden Jagd“ ihr Unwesen zu treiben 🙂 .

Unter diesem Gesichtspunkt werden jetzt in meinen Augen einige Teile des Brauchtums, das in dieser Zeit praktiziert wird,verständlicher. Perchtenlauf, Glöcklerlauf, Glücksbringer und Böllerschüsse haben alle dasselbe Ziel: Nämlich die bösen Einflüsse von uns fernzuhalten bzw. mit Lärm zu vertreiben. Das Bleigießen zu Silvester verkörpert einen anderen Aspekt: Wer zu Silvester das Orakel befragt, kann in die Zukunft sehen.

Und wo passt jetzt die Wäsche in dieses Geschehen hinein? Wer in den Raunächten den Fehler begeht, nicht zu beten und zu fasten, und stattdessen arbeitet, läuft Gefahr, Besuch von bösen Geistern zu bekommen: Denn wer Wäsche zum Trocknen aufhängt, dem wird sie von der „wilden Jagd“ gestohlen. Selbst das Aufhängen von Wäscheleinen ist tabu, da sich in ihnen die „wilde Jagd“ verfangen könnte. Sind noch dazu junge Frauen die Übeltäterinnen, würden die Geister über diese herfallen …

Was lerne ich daraus? Ich glaube zwar nicht wirklich an diese Dinge, aber irgendwo ist es doch spannend, dass ich es jedes Jahr wieder schaffe, während der Weihnachtsfeiertage mit meiner Wäsche auszukommen, ohne waschen zu müssen 😀 .

3 Gedanken zu „Aberglaube und Geisternächte

  1. Tanja Praske

    Liebe Henriette Zirl,

    lese gerade die Beiträge zur Blogparade #Aberglauben des Joanneums und bin dabei auf dein Blog gestoßen – wunderbar! Ich wusste noch nicht, was es mit den Raunächten auf sich hat, den Begriff hatte ich noch nie gehört. Gehen die Geister auf „die wilde Jagd“ nach denen, die arbeiten, oder was erjagen sie? Werde mir zur Weihnachtszeit überlegen, ob ich unsere Wäsche wasche 😉 – klasse Geschichte!

    Bin gespannt, welche Themen die Blogparade noch hervorbringt. Hans Artikel gefiel mir auch prima und von mir gab es heute etwas über Biber. Fügt sich damit zum Tauben-Artikel.

    Grüße aus München
    Tanja Praske

    Antwort
  2. Henriette Autor

    Hallo Tanja, wenn ich es richtig verstanden habe, tobt die „wilde Jagd“ in jedem Fall. Wer arbeitet, gehört aber zu den bevorzugten Opfern 😉 …

    Antwort
  3. Pingback: Aberglaube – Wahrheit oder Hirngespinst?

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