15 Minuten Trash

Andy Warhol prägte einst den Ausdruck, dass jeder von uns 15 Minuten Ruhm in seinem Leben hat bzw. haben möchte. Warum heißt nun dieser Beitrag „15 Minuten Trash“? Ganz einfach, weil ich mittlerweile die These vertrete, dass jeder von uns in seinem Leben nicht nur 15 Minuten Ruhm, sondern auch 15 Minuten Trash benötigt. Warum? Ich vermute, dass in jedem von uns das Bedürfnis steckt, sich auf Kosten anderer zu amüsieren.

Castingshow Zeitungen

Einer der Hauptgründe ist sicherlich, dass wir uns besser fühlen, wenn wir vermittelt bekommen, dass es anderen Leuten schlechter geht als uns selbst. Warum wohl schalten jedes Jahr immer wieder die Leute ein, um zu sehen, wie im australischen Dschungel die Teilnehmer mit Maden, Spinnen und ähnlichem Ungeziefer „behandelt“ werden? Weil wir uns ekeln und lustig machen wollen, welche armen Tropfe sich da jedes Jahr für so einen Unsinn hergeben. „Deutschland sucht den Superstar“ lebt ebenfalls davon, dass sich Leute von einem früheren Popstar, der heute selbst keine einzige Zeile Text mehr trällert, niedermachen lassen.

In jeder Castingshow treffen also gleich zwei Bedürfnisse aufeinander, die der Teilnehmer, die nach den 15 Minuten Ruhm in ihrem Leben gieren, und die der Zuschauer, die sich daran ergötzen, dass sich die Ruhmsüchtigen zum Kasperl machen. Ganz gleich, ob gesungen wird, die Laufstege der Welt erobert werden oder die Liebe seines/ihres Lebens gefunden wird – Emotionen sind das wichtigste. Wieviel davon echt ist, erfährt der Zuschauer nie (und es interessiert ihn im Grunde auch nicht). Hauptsache, er hat die Gelegenheit, mit seinen „Helden“ entweder mitzuleiden oder gnadenlos über sie zu lästern.

Das Leben schreibt hier schon lange nicht mehr das Drehbuch, sondern die Regie der jeweiligen Show. Klischee reiht sich an Klischee, es wird geweint, geschrien, gefreut und gelacht auf engstem Raum – und der Zuschauer ist (fast) immer mittendrin. Was sich hinter den Kulissen abspielt, ist ein mehr oder weniger offenes Geheimnis. Ab und zu dringt etwas durch, wenn beispielsweise sich wieder mal ein Möchtegern-Model aus einem Knebelvertrag mit Heidi Klums Papa herausklagt. Und selbst das klingt oft nur wie der Abschluss einer gelungenen Soap Opera, die uns mehrere 100 Folgen lang durchs TV-Leben begleitet hat.

Der kleine, aber feine Unterschied war bisher, dass wir genau gewusst haben, wo Schauspieler und wo Menschen wie du und ich am Werk sind. Mittlerweile ist das nicht mehr so eindeutig. „Wien – Tag & Nacht“ ist beispielsweise ein sogenanntes „Scripted Reality“-Format, wo eine Reality Show nur vorgetäuscht wird, die einzelnen Szenen in Wirklichkeit aber von Schauspielern nach Regie-Anweisungen gespielt werden. Als Zuschauer ist man hier meist nicht mehr in der Lage, auseinanderzuhalten, was man vor sich hat … Aber seien wir ehrlich: Die meisten wollen es auch nicht. Unterhaltung ist eben Unterhaltung. Bedenklich wird es meiner Meinung dann, wenn man nicht mehr in der Lage ist zu erkennen, welches X einem da für ein U vorgemacht wird.

Aber kehren wir zum Thema zurück 😀 : Ich liebe meine 15 Minuten Trash. Ich habe zwar nur sieben TV-Sender zur Auswahl, habe damit die meisten Castingshow-Formate noch nie gesehen (Manche will ich auch nicht sehen), aber ich bekenne mich zu meinem wöchentlichen Comedy-Format namens „Germanys Next Top(f)model“. Ich amüsiere mich königlich, was für Unsinn die Mädels dort anstellen (müssen), um wieder in einer weiteren Folge dabei sein zu können.

Ich sehe die jeweils aktuelle Episode in der Regel zwar erst zwei Tage später, aber das stört mich nicht. Ich lache über die Klischees, die dort mit schöner Regelmäßigkeit gezeigt werden – und stelle am Ende fest, dass genau aus diesem Grund das Finale mit Abstand die langweiligste Folge einer ganzen Staffel ist. Es gibt ja nichts mehr Interessantes, keine Emotionen, keine Streitigkeiten und keine Tränen mehr 😉 …

2 Gedanken zu „15 Minuten Trash

  1. Michael

    Na ja, die Top(f)modells gucke ich mir auch an und amüsiere mich (ausnahmsweise) köstlich, aber nicht hämisch. Der Rest kann mir gestolen bleiben, es gibt ja Gott sei Dank die freie Wahl bestimmte Sender einfach zu gewissen Zeiten und generell zu ignorieren. Zu gerne würde ich mal die Einschaltquoten mitbestimmen, aber ich bin vermulich abseits des „Durchschnitts“ :-).

    LG
    Michael

    Antwort
  2. Henriette Autor

    Ein Bekannter hat mir mal erzählt, wie sich das abspielt, wie die Einschaltquoten gemessen werden … Und das Fazit lautete, dass es alles andere als verlässlich ist, was diese Werte aussagen, weil die Fernsehgewohnheiten mehr oder weniger von Hand mitprotokolliert werden – und dann entsprechend einfach hochgerechnet wird, wieviele Personen in der jeweiligen Zielgruppe erreicht werden.

    Antwort

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