Die wunderbare Welt der E-Books

Erinnert ihr euch noch, wie mühsam es vor einigen Jahren war, im Internet legal digitale Inhalte wie Musik oder Filme zu erwerben? Den Anfang hat seinerzeit Steve Jobs mit iTunes gemacht: Plötzlich war es möglich, zu einem vertretbaren Preis ganz legal Musik im Netz zu kaufen. Die Nutzer haben es ihm gedankt, denn eine Zeit lang war iTunes mit Abstand der erfolgreichste Online-Store für Musik …

E-Books im Internet? Was für ein Teufelszeug!

Heute möchte man gerne annehmen, dass es selbstverständlich ist, digitale Inhalte online zu erwerben. Aber wie heißt es so schön bei Asterix? Ein kleines „Dorf“ hört nicht auf (digitalen) Widerstand zu leisten. Wen ich damit meine? Die Verlage im deutschsprachigen Raum! Und der Name des Zankapfels: E-Book.

E-Book vs. Buch

Der Buchmarkt unterliegt schon länger einem massivem Umbruch, jedoch habe ich den Eindruck, dass derzeit viele Verlage am liebsten den Kopf in den Sand stecken würden in der Hoffnung, dass dieser Kelch namens Digitalisierung an ihnen vorübergehen wird. Anders ist es in meinen Augen jedenfalls nicht zu erklären, wie zögerlich Verlage ihre Inhalte digital zur Verfügung stellen.

Demokratisierung durch E-Books?

Die „klassischen“ Vertriebswege waren einfach: Buch herstellen, Buch an die Buchhandlung zum Verkauf schicken – und gut. Buch vielleicht auch noch an Büchereien und Bibliotheken verkaufen – auch gut. Im Zeitalter der Digitalisierung ist das nicht mehr ganz so leicht:  Die Buchverlage verlieren langsam, aber sicher die Vorherrschaft über den Vertrieb von (niedergeschriebenen) Inhalten.

Ein Autor ist nicht mehr darauf angewiesen, einen Verlag für den Verkauf seines Buchs zu nutzen – und letztendlich entzieht diese Tatsache den Verlagen die Existenzgrundlage. Die Furcht, dass „ihre“ Inhalte auf einmal unkontrolliert im Internet geteilt werden, tut meiner Meinung das Ihre noch dazu, dass E-Books im Allgemeinen eher stiefmütterlich online angeboten werden (auch wenn es natürlich Ausnahmen gibt, das will ich nicht bestreiten).

E-Books online: Der Nutzer hat das Nachsehen …

Der Leser / Nutzer ist derjenige, der wie immer auf der Strecke bleibt. Wer den legalen Weg gehen will, ist oft gezwungen, eine schlechte Usability in den Online-Shops und eine wenig nachvollziehbare Lizenz- und Preispolitik zu akzeptieren. Weshalb übertragen Verlage beispielsweise die Preisgestaltung von gebundenen Büchern und Taschenbüchern auf E-Books? Ein E-Book kostet in der Herstellung immer gleich viel – und die Kosten für den Vertrieb fallen in der Regel auch weg.

Ich habe erlebt, dass ein Roman als Hardcover 25 Euro gekostet hat und als E-Book 22 Euro. Als das Taschenbuch zu demselben Roman etwa ein Jahr später erschien, kostete das E-Book auf einmal 10 Euro, was etwas unter dem Preis des Taschenbuchs lag. Warum das so war, weiß ich bis heute nicht. Aber ich vermute, dass es dem Verlag nicht darum ging, das E-Book zu verkaufen, sondern das gebundene Buch. Wer würde denn sonst das gebundene Buch kaufen?

Verfügbarkeit von E-Books im Internet

Dies immer unter der Voraussetzung, dass Bücher überhaupt als E-Books verfügbar sind. Nach wie vor gibt es viele Verlage, die sich offensichtlich gar nicht an das Thema herantrauen, deren Bücher man nur in Papierform erwerben kann – oder deren E-Books man nicht auf ein Tablet oder einen E-Book-Reader laden kann, um sie offline zu lesen.

Kleines Beispiel dazu gefällig? Der Galileo Verlag, ein sehr namhafter Verlag in der IT-Branche, hat bis vergangene Woche seine E-Books nur online angeboten … Ende 2012 habe ich diesbezüglich auf der Facebook-Seite des Verlags Kritik geäußert, dass der Online-Viewer unter Mac OS X nicht zu bedienen war! Die Reaktion damals war nichts als Verzögerungstaktik, bis ich es am Ende auf sich beruhen habe lassen und mir meinen Teil gedacht habe.

E-Books leihen????

Schaut man sich die Situation beim Ausleihen von E-Books an, wird es noch komplizierter: Ich habe das vor einem Jahr ca. ausprobiert, weil es mir als eine brauchbare Alternative erschien, um regelmäßig E-Books zu lesen. Vorausgesetzt, man hat in der Bücherei (natürlich vor Ort!) seinen Ausweis erworben, braucht man bei der Onleihe einen Useraccount und Passwort, um Zugriff auf das Angebot in der entsprechenden App zu erhalten.

Die E-Books selbst werden online mit einem Ampelsystem gekennzeichnet. Verfügbare Bücher sind grün, verliehene Bücher sind rot. Verliehene Bücher? Ganz richtig! Denn auch online stehen Bücher im Verleih in der Regel nur einmal zur Verfügung. Als ich nachgefragt habe, hat man mir erklärt, dass das hat mit den Lizenzen zu tun hat. Für jedes Buch scheint dort also nur eine Lizenz vorhanden zu sein, deswegen kann es auch nur einmal verliehen werden. Wer das Buch ebenfalls lesen möchte, muss drei Wochen warten, bis die Rückgabefrist verstrichen ist – ein früheres Zurückgeben war zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich.

Ohne DRM geht es nicht?!

Zum Lesen des Buchs braucht man neben der Onleihe-App eine weitere App, die in der Lage ist, die DRM-kodierten Dateien zu öffnen. Sind die drei Wochen Leihzeit verstrichen, lässt sich das Buch nicht mehr öffnen und man muss das Buch ein weiteres Mal ausleihen. Gerade bei sehr beliebten Büchern kann das zu einer echten Qual werden, denn: Vorbestellungen sind auch hier wie bei „normalen“ Büchern möglich. Wenn ein Buch allerdings fünf Vorbestellungen hat, darf man schon mal ein halbes Jahr warten, bis man wieder an der Reihe ist.

Unter diesen Umständen verwundert es nicht, dass die Nutzer unzufrieden sind. Und der Klick auf eine Plattform, wo man ein E-Book ohne gröbere Schwierigkeiten gratis herunterladen kann, wird unter diesen Umständen noch verführerischer … Wenn in den Köpfen der Verantwortlichen nicht ankommt, dass den E-Books bei bestimmten Zielgruppen die Zukunft gehört, werden sich die Nutzer andere Wege suchen, um an ihren Lesestoff zu kommen – und die Verlage werden am Ende diejenigen sein, die durch die Finger schauen.

2 Gedanken zu „Die wunderbare Welt der E-Books

  1. Martin Strohmayer

    Ein kleine Anmerkung noch, Ebooks werden mit 20% besteuert und gedruckte Bücher mit 10%. Also trägt der Staat zum höheren Ebook Preis seinen Teil bei. Gut hat mans bei Amazon dort zahlt man für EBooks nur 3% Steuer von Luxemburg. Bei Google Play gelten die lokalen Steuern also 20%.
    Dem Endkunden könnte es egals sein der Preis unterliegt sowieso der Buchpreisbindung.

    Antwort
  2. Pingback: Ich lese (wieder) digital! | [Der:Die:Das] Blog

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