Deutsche Sprache, schlampige Sprache?

Woran man merkt, dass uns das Sommerloch erreicht hat? Ganz einfach: Die Medien holen wieder einmal die Diskussion um die Verwahrlosung der deutschen Sprache aus der Versenkung 😀 … So geschehen dieser Tage in der Kleinen Zeitung mit dem Beitrag „Auslaufmodell deutsche Sprache„.

Wer so wie ich recht viel schreibt, hat fast zwangsläufig ein etwas ambivalentes Verhältnis zu dem Thema. Auf der einen Seite begrüße ich es, wenn man mit Sprache kreativ ist und ich bin ebenfalls der Meinung, dass eine Sprache vom Spielen mit ihr und der Erschaffung von neuen Wörtern lebt. Was ich allerdings nicht mag, ist der zunehmende schlampige Umgang mit ihr. Anglizismen sind für mich allerdings nur ein Teil dieser Schlampigkeit. Warum diese immer mehr werden, hängt meiner Meinung nach mit den folgenden Gründen zusammen:

  • Wir sind einfach zu faul, uns deutsche Begriffe dafür auszudenken (im Gegensatz zu den Franzosen).
  • Wir fühlen uns mit den englischen Begriffen einfach weltmännisch und – jetzt muss ich schon aufpassen, an dieser Stelle keinen Anglizismus zu verwenden – am Puls der Zeit.

Ergo: Englische Begriffe haben den Ruf, angesagt (Wahlweise einzusetzen: „cool“ oder „in“ 😉 ) zu sein. Und dies ist wohl auch der Grund, warum die ZDF-Sendung „Log in“ heißt – und über eine Stunde lang die Frage stellt, ob die deutsche Sprache geschützt werden muss 😀 :

Die bereits erwähnte Schlampigkeit zieht sich meiner Meinung nach aber quer durch unsere Sprache: Falscher Satzbau, falsche Verwendung von Fällen (Ich bekenne mich zum Genitiv, jawohl!), überflüssige Apostrophe (Siehe Definition des Deppenapostrophs) fehlende Beistriche und – falsche Silbentrennung. Ist euch das schon einmal aufgefallen, dass auch bei der Silbentrennung immer mehr Fehler auftauchen?

Ich denke, das hängt stark damit zusammen, dass tatsächlich immer weniger Wörter aktiv getrennt werden, weil es schlicht und einfach kaum noch notwendig ist. Silbentrennung kommt hauptsächlich in gedruckten Medien zum Einsatz, um den verfügbaren Platz so gut wie möglich auszunutzen. Auf einem Bildschirm habe ich genügend Raum, um meine Gedanken niederzuschreiben, da spielt Silbentrennung schlicht und einfach keine Rolle. Trotzdem habe ich Silbentrennung nie als kompliziert empfunden, da sind Dinge wie Groß- und Kleinschreibung oder Beistrichsetzung deutlich schwieriger.

Zu meiner Schulzeit gab es eigentlich nur eine einzige Regel, an die man sich halten musste – und nicht einmal die gilt heute noch: „Trenne nie es-te, denn es tut ihm weh“. Weh tut mir eigentlich nur, wenn ich in Büchern Silbentrennungen wie diese hier finden muss:

Silbentrennung

„Sauco-oles Kleid“? Ich erinnere mich, dass ich beim Lesen wirklich gestutzt habe, ehe ich gemerkt habe, dass das „saucooles Kleid“ heißen sollte. Im Zweifel für den Angeklagten, daher denke ich, dass so ein Fehler dem Lektorat bekannt ist, es daher beim Korrigieren einfach übersehen worden ist. Trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack, denn solche Beispiele für unsinnige Silbentrennungen finde ich in letzter Zeit immer öfter …

Und in Folge frage ich mich, ob man das Studium der Germanistik noch als Garant dafür sehen kann, dass jemand gut Deutsch beherrscht. Ich habe nicht studiert – und trotzdem habe ich feststellen müssen, dass ich unsere Muttersprache weit besser beherrsche als so mancher Studierende dieses Fachs :-/ .

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