Das Sanitärmuseum in Leibnitz

Unter dem Titel „Mein Kultur-Tipp für euch“ ruft Tanja Praske zu einer Blogparade auf … Nachdem es mir in letzter Zeit dummerweise zur Gewohnheit geworden ist, immer bei den letzten (wenn nicht die letzte!) zu sein, die einen Beitrag zu einer Blogparade beisteuern, möchte ich es dieses Mal anders machen 😉 .

Mein Tipp ist ein kleines Museum etwas südlich von Graz, das meiner Meinung nach ein klein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient hat: das „Kleine Sanitärmuseum“ in Leibnitz. Ich wusste selbst lange Zeit nicht, dass es so ein Museum in unserer Gegend überhaupt gibt, bis ich vor einem Jahr im Rahmen der „Langen Nacht der Museen“ das erste Mal Leibnitz und Umgebung unsicher gemacht habe. Und wie man auf dem nachfolgenden Foto unschwer erkennen kann, hat sich das Sanitärmuseum auf sehr charmante Art und Weise bei der „Langen Nacht“ beteiligt 🙂 .

Kleines Sanitärmuseum Leibnitz

Entstanden ist das Museum aus der Privatsammlung von Erika Haas, die ihre Sanitärprodukte 1994 der Öffentlichkeit zugänglich machte. Wer das Museum heute besichtigt, lernt ihre Tochter Dorli Krainer kennen, die die Sammlung mit viel Hingabe pflegt und fortführt. Der älteste Gegenstand im Museum ist ein Zimmerklo, das aus dem Jahr 1683 stammt.

Wer eine Führung mitmacht, kommt in den Genuss von jeder Menge Detailwissen bezogen auf Sanitärartikel. Viele Begriffe in unserem alltäglichen Sprachgebrauch ranken sich um diesen Bereich – wesentlich mehr, als man denkt. Die Toilette selbst bezeichnete beispielsweise ursprünglich ein Tuch, das man über sich ausbreitete, wenn man sich erleichtern musste. Die Ausweitung auf den Ort, um seine Notdurft zu verrichten, kam erst später.

Der berühmte Spruch „Pecunia non olet“ („Geld stinkt nicht“) stammt aus dem Lateinischen und geht auf den römischen Kaiser Vespasian zurück, der eine Latrinensteuer eingeführt hat. Überhaupt war die Toilette zu dieser Zeit noch ein öffentlicher Ort, wo man keine Scham hatte, sich auf der Latrine zu treffen und auszutauschen.

3D Sanitärmuseum #1

Im Sanitärmuseum #1

Sein Geschäft unbeobachtet zu verrichten, kam erst viel später auf.  Ende des 18. Jahrhunderts bzw. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es sogar einen eigenen Beruf, der diesem Bedürfnis Rechnung trug: Der Abtrittanbieter war mit einem Holzeimer und einem großen Umhang auf der Straße unterwegs, um Leuten quasi „on-the-go“ einen Toilettengang zu verkaufen. Wer musste, entrichtete ein bestimmten Geldbetrag und durfte dafür unter dem Umhang erledigen, was er erledigen musste.

Eine charmante Geschichte rankt sich auch um das sogenannte Bourdalou, ein Sauciere-ähnliches Geschirr aus Porzellan, das die feinen Damen am Hof von Ludwig XIV. im 17. Jahrhundert unter ihre Röcke hielten, da die Predigten eines gewissen Priesters, der auf den Louis Bourdaloue hörte, so fesselnd waren, dass sie nichts davon verpassen wollten. Laut Dorli Krainer leitet sich auch „Lulu“ (österreichisch für Urin) davon ab.

Aber zurück zum Museum: Besonders gut hat mir die Wellenbadeschaukel gefallen, die angeblich schon Kaiserin Sisi mit Leidenschaft benutzt hat. Im Grunde ist das nichts anderes als eine kleine Badewanne aus Blech, die gewölbt ist, dass man mit ihr tatsächlich auf und ab schaukeln kann. Angeblich war unsere Kaiserin derart begeistert davon, dass sie regelmäßig das Hotelzimmer, in dem diese Wanne stand, unter Wasser gesetzt hat 🙂 .

wellenbadeschaukel

© Wikipedia

Ein wenig jünger, aber nicht weniger interessant, ist die Küchen-Badewanne im Museum, die wir durch Fernsehserien wie „Mundl“ kennen. In den Siebzigern waren Wohnungen oft so klein, dass der Platz für eine Badewanne nicht vorhanden war. Die Lösung waren beispielsweise Schrankbadewannen, die man mehr oder weniger zusammenklappen und verstauen konnte.

Auf der anderen Seite des Raums steht außerdem die erste begehbare Dusche, ein großer Kasten aus Metall mit verschließbarer Tür und sehr robust aussehend (Scheint so, dass die Leute in früheren Zeiten sehr stürmisch beim Duschen waren?).

3D Sanitärmuseum #2

Im Sanitärmuseum #2

Noch ein weiterer Gegenstand im Sanitärbereich, der heute für uns selbstverständlich ist, geht übrigens auf Platzmangel zurück: der Mischer. Dass warmes und kaltes Wasser gleichzeitig durch einen Hahn in das Waschbecken fließen, ist auf den Einbau von Waschtischen in Zügen zurückzuführen – und dass es dort alles andere als viel Platz gibt, wissen wir ja alle 🙂 .

Nachdem leider die meisten Fotos damals im Dunkeln nicht wirklich etwas geworden sind, muss ich euch auf ein Video verweisen, in dem ihr noch ein bisschen mehr vom Museum sehen könnt:

Video Sanitaermuseum

Auch das 3D Panorama gibt einen guten Eindruck, was euch im Museum erwartet. Wenn ihr in die Gegend kommt, rate ich euch dringend zu einer Führung, denn Dorli Krainer, ihr Wissen über den Sanitärbereich und das Museum gehören definitiv zusammen 🙂 !

9 Gedanken zu „Das Sanitärmuseum in Leibnitz

  1. Tanja Praske

    Liebe Henriette,

    vielen herzlichen Dank für diesen sehr schönen Beitrag zur Blogparade – toll! Einiges ist für mich neu, merci für diese Wissensbereicherung „Geld stinkt nicht“, „Toilette“ gleich Tuch …

    Ein klasse Kultur-Tipp. Leibnitz liegt bei Graz? Damit wärst du zusammen mit dem Joanneum schon zu zweit, die die Blogparade aus Graz bereichern!

    Schöne Grüße
    Tanja

    Antwort
    1. Henriette Autor

      Das Joanneum hat mich sogar extra nochmal drauf „angesprochen“ … Und Leibnitz liegt etwa 35 km südlich von Graz, wenn du es ganz genau wissen möchtest ;).
      LG Henriette

      Antwort
  2. Steirerblut und Himbeersaft

    Das ist ja echt interessant, wusste auch nicht, dass es ein Sanitärmuseum gibt – und dann noch dazu in der schönen Steiermark! 🙂 Eine schöne Idee überhaupt, so eine kulturelle Blogparade, ich krieg sowas ja leider oft erst immer viel zu spät mit! :/
    Wünsch dir einen schönen Wochenstart, Heike

    Antwort
    1. Henriette Autor

      Liebe Heike, wenn du mitmachen möchtest: Es ist noch nicht zu spät, denn die Blogparade geht noch bis kommenden Sonntag :).
      Wünsche dir auch einen guten Start in die neue Woche!
      LG Henriette

      Antwort
  3. tominmuc

    Sehr kurzweiliger und interessanter Beitrag!

    „Mami, ich muss Lulu!“ habe ich als Kind zu meiner Mutter gesagt. 😉

    Antwort
  4. Tanja Praske

    Liebe Henriette,

    da bin ich aber sehr froh, dass das Joanneum dich „angesprochen“ hat, denn ich habe sehr gerne deinen Artikel gelesen und viel dabei gelernt!

    @Heike, wäre schön, auch von dir einen feinen #KultTipp zu erhalten. Bislang sind es 44 Artikel und jeder für sich ist famos, ich bin freudig über den Facettenreichtum überrascht!

    Schönen Wochenstart

    Tanja

    Antwort
  5. Pingback: pinkbigmac

  6. Pingback: Kultur-Schmankerl mit Österreich: Eselsohren, Zeichenkunst und Linsensuppe #KultTipp 4

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