Rezension: Marc Elsberg – „ZERO“

Marc Elsberg greift mit seinem zweiten Roman „ZERO“ das Thema Datenschutz ebenfalls auf. Allerdings tut er das ganz anders als Dave Eggers mit „Der Circle“. Während Eggers die Geschichte aus der Perspektive einer einzelnen Person erzählt, lässt Elsberg uns die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln erleben und verpackt seine Botschaften in die Gespräche, die die Charaktere miteinander führen (Einige Zitate könnt ihr unterhalb lesen).

Die Website zum Roman zero-das-buch.de nutzt der Verlag nicht nur für Informationen über das Buch und den Autor, sondern auch für einen sogenannten „Guerilla Guide“, in dem Tipps und Hinweise gegeben werden, was man heute tun kann, um weniger Spuren im Netz zu hinterlassen.

Zero - Das Buch


Aber jetzt zum Buch selbst. Auch hier möchte ich euch nicht den Klappentext vorenthalten:

Der Klappentext

Wer sich im Netz bewegt, für den gibt es kein Entkommen

Sie wissen, WER wir sind, WO wir sind – und WAS wir als Nächstes tun werden!

London. Bei einer Verfolgungsjagd wird ein Junge erschossen. Sein Tod führt die Journalistin Cynthia Bonsant zu der gefeierten Internetplattform Freemee. Diese sammelt und analysiert Daten – und verspricht dadurch ihren Millionen Nutzern ein besseres Leben und mehr Erfolg. Nur einer warnt vor Freemee und vor der Macht, die der Online-Newcomer einigen wenigen verleihen könnte: ZERO, der meistgesuchte Online-Aktivist der Welt. Als Cynthia anfängt, genauer zu recherchieren, wird sie selbst zur Gejagten. Doch in einer Welt voller Kameras, Datenbrillen und Smartphones gibt es kein Entkommen …

Hochaktuell und bedrohlich: Der gläserne Mensch unter Kontrolle _

Meine Meinung zum Buch

Der Einstieg in die Geschichte hat es in sich: ZERO startet mit Drohnen und Mini-Kameras einen „Angriff“ auf den Präsidenten der vereinigten Staaten. Diese Aktion setzt mehr oder weniger den Rest der Geschichte im Buch in Gang, denn verschiedene Gruppen haben von nun an ein Interesse, ZERO zu finden.

„Wir reden […] nicht von Informationsfreiheit, sondern von Informationsfilterung. Nichts davon ist wirklich neutral. Warum auch? Das Internet ist ja keine neue Welt, sondern einfach ein weiterer Teil unserer bisherigen. Da wird genauso getrickst und betrogen, verheimlicht, enthüllt und entblößt, manipuliert und intrigiert, verehrt und verhöhnt, gehasst und geliebt wie woanders auch.“ (ca. Seite 150)

Eine Fraktion ist die Zeitung, bei der Journalistin Cynthia Bonsant arbeitet. Sie ist alleinerziehende Mutter, um die 40 Jahre alt, und im Internet – na, sagen wir – eher unbedarft. Sie hat eine 18jährige Tochter, mit der sie eine relativ schwierige Beziehung hat. Als Leser erleben wir mit, wie sie nach und nach ein Internet kennenlernt, in dem Smartphones in Ergänzung mit Glasses (Hier ist die Anspielung auf Google Glass unschwer zu erkennen), Ratgeber-Apps (Wie verhalte ich mich, um ein besserer Mensch zu werden?) und ein sogenannter ManRank längst Realität geworden sind.

„Die digitale Welt steckt in jedem Teil der realen Welt, in unseren Telefonen und Brillen, Smartwatches und Wearables, Fernsehern, Kaffeemaschinen und Autos, bald in unseren Lebensmitteln, unserer Kleidung, im Boden, den Wänden, im Wasser, in der Luft, in unseren Körpern. Die digitale Welt ist längst die reale Welt!“ (ca. Seite 265)

Ein weiterer Blickwinkel erfolgt aus der Sicht des Unternehmens Freemee, dass diese Apps und den Rank erfunden und unter die Leute gebracht hat. Wer Freemee-User ist, hat gleichzeitig die Hoheit über seine persönlichen Daten im Netz und kann diese auch verkaufen, wenn er dies möchte. Aus Sicht der Chefetage wird recht bald deutlich, dass im Zusammenhang mit den Ratgeber-Apps etwas deutlich schiefgelaufen ist …

„Letztlich sind den meisten Menschen Bequemlichkeit und Sicherheit wichtiger als Freiheit und Unabhängigkeit. Damit wissen sie ohnehin nichts anzufangen.“ (ca. Seite 360)

Ich gebe zu, ich bin kein Freund vom Präsens in Unterhaltungsromanen. War ich nie und werde ich wohl auch nicht mehr werden 😀 … Dementsprechend schwer fiel mir der Einstieg, als ich gemerkt habe, dass Elsberg genau auf diese Zeitform setzt.

Auch während des Lesens konnte ich mit dem Schreibstil des Autors nicht so recht warm werden, muss ich gestehen. Da Elsberg relativ rasch sehr viele unterschiedliche Charaktere einführt, die aber in Summe bis auf ein paar wenige Figuren relativ farblos bleiben, hatte ich vor allem gegen Ende ein Problem, mir die Personen alle zu merken. Hier hätten ein paar Namen weniger und ein wenig mehr Liebe zum Detail bei den Protagonisten nicht geschadet.

Selbst Cynthia, die eigentlich die Hauptfigur ist, wirkte auf mich ein wenig steif und hölzern. Mehr als einmal musste ich mich außerdem fragen, ob es heutzutage wirklich noch immer so viele Journalisten gibt, die wenig bis gar nicht mit dem Internet arbeiten – unter diesem Gesichtspunkt erschien mir Cynthia und ihre Einstellung vor allem am Anfang erschreckend naiv.

Nichts desto trotz hat Elsberg eine interessante Geschichte geschaffen, sodass ich wissen wollte, wie der Roman endet. Besonders im letzten Drittel schaltet der Autor dann einen Gang hoch und setzt uns eine Verfolgungsjagd vor, die aus dem Film “ Der Staatsfeind Nr. 1″ stammen könnte (In der Hinsicht war der Film 1998 schon prophetisch 😉 ) …

Mein Fazit

ZERO ist für mich aufgrund des Themas ein interessantes Buch, das aber an einigen Stellen noch Mängel aufweist und damit Potential für eine wirklich spannende Geschichte verschenkt hat. Wenn Elsberg es in Zukunft schafft, dass man mit den Charakteren im Roman so richtig mitfiebern kann, kann er wirklich zu einem sehr guten Schriftsteller werden … Sonst hat das Buch nämlich alles, was einen guten Thriller ausmacht: Eine packende Geschichte mit einer Botschaft, die einem nachdenklich werden lässt, wie wir in Zukunft mit der Digitalisierung umgehen wollen.

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