Rezension: Tom Hillenbrand – „Drohnenland“

„Drohnenland“ ist das dritte und letzte Buch zum Thema „Datenmissbrauch“, das seinen Weg auf meinen Stapel ungelesener Bücher gefunden hat. Ich gebe zu, ich habe bisher noch nie etwas von Tom Hillenbrand gelesen, da mich seine früheren Krimis aus dem Bereich Kulinarik nicht wirklich angesprochen haben.

Im Gegensatz zu „Der Circle“ (wo offensichtlich mehr Geld fürs Marketing zur Verfügung gestanden hat) bewirbt KiWi das Buch weniger offensiv. Auf der Website gibt es eine Leseprobe zum Herunterladen, einige Rezensionen von bekannten Zeitungen werden zitiert – und das war’s eigentlich auch schon.

website-drohnenland


Hillenbrand entwirft in seinem Roman eine Dystopie, wie wir in Europa ca. um 2050 leben werden (Es wird zwar nie ein Datum erwähnt, aber anhand verschiedener Andeutungen kann man auf diese Zeit schließen). Was erwartet uns Leser in diesem Buch? Lasst uns einen Blick auf den Klappentext werfen.

Der Klappentext

Alles wird überwacht. Alles ist sicher. Doch dann geschieht ein Mord, der alles infrage stellt.

Wozu Zeugen vernehmen, wenn all ihre Bewegungen und Gespräche bereits auf einer Festplatte archiviert sind? Warum Tatorte begehen, wenn fliegende Polizeidrohnen bereits alles abfotografiert haben? Als ein Brüsseler Parlamentarier auf einem Feld nahe der Hauptstadt ermordet aufgefunden wird, glaubt Kommissar Aart van der Westerhuizen zunächst, den Fall mithilfe des beinahe allwissenden Europol-Fahndungscomputers und der brillanten Forensikerin Ava Bittmann rasch lösen zu können. Und tatsächlich gibt es verblüffend schnell einen Verdächtigen. Doch dann entdeckt er immer mehr Hinweise darauf, dass die digitale Datenspur manipuliert wurde – und gerät in eine Verschwörung, die ganz Europa in seinen Grundfesten zu erschüttern droht.

Meine Meinung zum Buch

„Drohnenland“ ist meiner Meinung nach ein exzellentes Beispiel dafür, wie unterschiedlich Leser ein- und dasselbe Buch empfinden können. Während die FAZ in ihrem Feuilleton beispielsweise einen bestimmten Aspekt (Ich erkläre gleich, welchen ich meine) mehr oder weniger in den Himmel lobt, empfinde ich den denselben nur als mühsam, zwischendurch sogar als ärgerlich.

Hillenbrand ist für meinen Geschmack fast zu viel um Authentizität bemüht: Der Autor erklärt nichts, weder Technik noch politische und gesellschaftliche Situation. Das macht das Buch zwar als Ganzes überzeugend, erschwert es mir persönlich aber, der Geschichte zu folgen. Ergo: Viele Dinge musste ich mir beim Lesen selbst zusammenreimen. Hier hätte ich mir wirklich ein Glossar wenigstens am Ende des Romans gewünscht, denn was beispielsweise Colibris, Mites, Molekularscans, Roboterkakerlaken, Hobo- und Assassinendrohnen, Creeperfeeds oder Ghosting sind, erschließt sich beim Lesen nur zum Teil …

Auszug aus "Drohnenland" #1

Die Geschichte selbst ist eigentlich ein klassischer Krimi: Die Leiche wird am Anfang gefunden, der Kommissar tritt auf den Plan und muss in Folge herausfinden, wer der Mörder ist. Das ScienceFiction-Element in Form der hochtechnisierten Welt ist zwar durchgängig, wird aber wenig betont. Im Verhältnis zu „Der Circle“ oder „ZERO“ setzt „Drohnenland“ vor allem am Anfang kaum auf Dramatik, denn nach dem Fund der Leiche passiert für meinen Geschmack etwa 100 Seiten erst einmal relativ wenig. Man muss schon ca. bis zur Mitte des Buches etwa durchhalten, bis erste Hinweise auf den richtigen Mörder auftauchen und die Handlung in Schwung kommt.

Sieht man darüber einmal hinweg, kommt eine mit sehr viel Liebe zum Detail geschilderte Geschichte heraus. Man merkt es dem Autor an, dass er sehr viel Zeit und Energie in den Roman gesteckt hat, um ein realistisches Bild der totalüberwachten Zukunft zu zeichnen. Wer sich vor dieser Überwachung abschirmt, dagegen sogar vorgeht, gilt als Feind des Systems. Und im Lauf der Handlung zeigt sich einmal mehr, wie mächtig Daten sein können, wenn jemand die Fähigkeiten besitzt diese nach eigenem Gutdünken zu manipulieren.

Auszug aus "Drohnenland" #2

Mein Fazit

Ganz ehrlich? Ich kenne zwar die übrigen Bücher von Hillenbrand nicht, könnte mir gut vorstellen, dass er seinen ruhigen Schreibstil bereits in seinen Kulinarik-Krimis verwendet hat. Dort kommen sie sicherlich gut zur Geltung, in einem Buch wie „Drohnenland“ finde ich ihn offen gestanden eher unpassend. Mag sein, dass ich schon zu viele andere Zukunftsromane gelesen habe, aber ich bin mit dem Buch einfach nicht so richtig warm geworden … Lasst euch aber nicht abschrecken, selbst in das Buch hineinzuschnuppern – das könnt ihr unter anderem mit dieser Hörprobe tun:

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