Bloggen – ja, warum?

Diese Woche entdeckte ich bei Neontrauma einen Artikel, der mich an etwas erinnerte, wovon ich schon einige Male gehört hatte: Anne schreibt darin über den Druck, den das Bloggen erzeugen kann. Der Artikel ist relativ lang und beschreibt ein klein wenig die Entwicklung der Blogosphäre vom Anfang bis heute. Nachdem ich selbst schon relativ lang immer wieder Blogs betrieben habe (und auch aufgegeben habe 😉 ), kenne ich die Anfangstage durchaus noch (zumindest bilde ich mir das ein).

blog-love
© Pixabay

Dass sich die Blogosphäre besonders in den letzten Jahren deutlich verändert hat, ist mir dabei auch aufgefallen. „Professionelle Blogger“ (Ich nenne jetzt mal alle so, die auf irgendeine Weise mit ihrem Blog Geld verdienen wollen) gab es in den Anfangstagen relativ wenige, da bin ich mir ziemlich sicher. Bloggen war und ist für viele immer noch ein Zeitvertreib, wo man seine Lust am Schreiben austoben kann, wie es einem gefällt. Diese Hobbyblogs (nennen wir sie mal so) gibt es heute nach wie vor, daneben hat aber auch ein ganz anderer Schlag Menschen Blogs für sich entdeckt.

Die Bloggerwelt ist bunter geworden

Hier kommen die eingangs erwähnten „professionellen Blogger“ ins Spiel, also Blogger, die mit ihrem Blog ganz bestimmte monetäre Ziele verfolgen. Angefangen bei Corporate Blogs von Unternehmen über Blogs von Leuten, die sich mit dem Netz selbständig gemacht haben und mit dem Blog ihre Produkte und/oder Dienstleistungen verkaufen wollen. Dies ist ein Bereich, der mir bis vor kurzem noch fast gänzlich unbekannt war  – weil ich keinen Kontakt zu solchen Bloggern hatte und weil ich mich eigentlich auch nicht für diese Bereiche interessiere, wo viele von ihnen zu finden sind (Fashion, Lifestyle, Reisen sind nicht so mein Ding, geb ich zu 😉 ).

Als langjähriger Hobby- und Kraut-und-Rüben-Blogger ist das eine Welt, die mir noch immer relativ fremd ist. Auch wenn ich mich durchaus kritisch auseinandersetze mit dem, was Bloggen heute alles ausmacht, finde ich, dass jedes Blog seine Berechtigung hat und ich finde es auch in Ordnung, wenn man damit Geld verdienen möchte. Bloggen ist Arbeit bzw. Zeit, die ich persönlich neben meiner Arbeit investiere – und mir liegt nicht daran, mehr daraus zu machen.

Die Blogger-Konkurrenz

Wenn man vom Bloggen leben möchte, kann ich mir aber gut vorstellen, dass man irgendwann das Gefühl bekommt, damit unter Druck zu stehen. Regelmäßig Artikel zu schreiben, gute Fotos zu schießen braucht Zeit – und nicht jeder Artikel lässt sich 1:1 in Geld umsetzen. Hier ist sicherlich viel Selfmarketing und entsprechendes Fingerspitzengefühl gefragt, um seine Leser / Kunden zufrieden zu stellen. In besonders umkämpften Bereichen kann ich mir auch gut vorstellen, dass man wirklich immer am Puls der Zeit sein muss, um seine Leser zu halten (gerade bei Mode stelle ich mir das seeeeeehr aufwendig vor).

Trotzdem habe ich das Gefühl, dass hier die Entwicklung in die falsche Richtung geht. Oft wird ja in dieser Hinsicht auch beklagt, dass die Authentizität der Blogger verloren geht, dass alle letztendlich dasselbe machen, dasselbe schreiben und dieselben Bilder posten (in manchen Bereichen wohl mehr, in manchen weniger). Ich habe sogar das Gefühl, dass immer mehr Blogs auch denselben Stil haben, was ihre Layouts angeht. Individualität vs. Geld? Wer hier am Ende den kürzeren zieht, ist aber eigentlich der Blogger selber, denn warum sollte man als Leser so jemandem treu bleiben?

Wodurch unterscheiden sich Blogs heutzutage?

Ein Blog heutzutage ins Netz zu stellen ist keine Hexerei mehr. Regelmäßig Artikel zu veröffentlichen auch nicht. Das einzige, wo jeder einzelne noch eine Chance hat, sich vom nächsten Blog zu unterscheiden, ist die Persönlichkeit des Bloggers und sein Schreibstil.

Das, was jedes Blog einzigartig macht, ist die Person, die hinter ihm steht. Daran sollten wir festhalten! Und uns dabei nicht verrückt machen lassen, dass vielleicht ein anderer schon irgendwo dieselbe Idee hatte, dasselbe Bild geschossen hat oder was auch immer. Selbst wenn das Thema vielleicht dasselbe ist (und es gibt nichts, worüber im Netz nicht schon mal irgendwo irgendwer geschrieben hat), es liegt immer noch am Blogger selbst, seine eigenen Gedanken niederzuschreiben, seinen eigenen Stil zu pflegen – das kann und sollte man sich nicht nehmen lassen!

Bloggen – ja, warum?

Zugegeben: In dem Moment, in dem man beruflich bloggt, ändern sich einige Dinge, das ist keine Frage. Hier kann es sicherlich sein, dass man auch mal zu Zeiten Texte veröffentlichen muss, Newsletter schreiben, in den sozialen Netzwerken posten, wenn man grad nicht gut kann oder mag. Wenn man Bloggen zum Beruf macht, muss man damit rechnen, dass es nicht immer so viel Spaß macht wie noch zu Hobbyzeiten. Trotzdem sollte man sich schon ernsthaft die Frage stellen, ob das Blog wirklich noch das ist, was man machen will, wenn man das Gefühl hat, damit nur noch unter Druck zu stehen … Denn dann ist es zum Burnout ganz genau wie bei einem „normalen“ Beruf sicher nicht mehr weit.

Wenn man an so einem Punkt angekommen ist, denke ich schon, dass man einmal eine Weile Abstand suchen sollte. Nachdenken, was man mit seinem Blog eigentlich will. Und letztendlich auch den Mut haben, eine Entscheidung zu treffen und vielleicht einige Dinge zu ändern. Ein Blog kann etwas Wunderbares sein, man kann damit viele Menschen erreichen – aber es sollte nicht zu einem Medium werden, das einen unglücklich macht. Deswegen auch mein Wunsch für die Zukunft, bloggen als Möglichkeit zu sehen, sich damit zu verwirklichen – aber jeder sollte das auf die Art tun, wie sie einem am meisten Freude bereitet.

3 Gedanken zu „Bloggen – ja, warum?

  1. Pingback: Bloggen – ja, warum? Ein Nachsatz | [Der:Die:Das] Blog

  2. Alexander Liebrecht

    Hallo Henriette,
    heute ist dein Blog wieder dran bei meiner Kommentierrunde 🙂 Also ja, unter Druck beim Bloggen zu stehen, ist gar nicht gut und da bin ich sehr froh darüber, dass ich ein Hobbyblogger bin. Mehr werde ich damit nie machen wollen und auch ein Berufsblogger will ich nicht werden, denn mein Leben soll vom Offlineberuf komplett finanziert werden. Da wird das Bloggen bei mir immer die Berechtigung haben, zu existieren und so wäre es eine recht coole Freizeitbeschäftigung. Nicht mehr und nicht weniger.

    Das ich dabei das volle Programm mache, viel bloggen und promoten, versteht sich von selbst, denn ich möchte mit meinen Inhalten gefunden werden. Du hast es auch geschafft, dass ich deinen Blog gefunden habe und auch gut so!

    Ob jemand unbedingt aufs Geld aus ist, muss es wirklich selbst wissen. Wenn es einen sehr glücklich macht und man immer noch mit Freude viele Posts verfassen kann, dann ist ja auch alles in Ordnung. Die Sache mit dem Burnout ist sehr ernst zu nehmen, denn so etwas kommt plötzlich und dann steht man da, vor nichts.

    Lieber ganz kleine Brötchen backen, Spass am Bloggen haben, sich weiterentwickeln, mit anderen kommunizieren und weiter machen wie bisher sowie am Ball bleiben. Falls bei mir nichts Gravierendes privat passiert, habe ich es vor, noch sehr sehr lange als Blogger aktiv zu sein. Das sehe ich denn mal wie es kommen wird. Und nun stöbere ich noch ein bisschen mehr hier bei dir!

    Antwort
  3. Pingback: Feedback Donnerstag mit You-big-blog.net/blog gut gelungen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s