Ein Fall für den Autor oder den Autoren?

Es ist unbestritten, dass unsere schöne Muttersprache sich verändert. Es ist auch nichts Neues, wenn ich sage, dass unsere Muttersprache wirklich ganz schön kompliziert sein kann … Nicht umsonst schaue auch ich immer wieder im Wörterbuch nach und denke mir dann meinen Teil 😀 . Trotzdem gibt es Fehler, die mich immer wieder den Kopf schütteln lassen und mir gleichzeitig in der Seele weh tun – und damit spiele ich jetzt ausnahmsweise nicht auf den Deppenapostroph an, sondern auf andere Wörter.

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© Pixabay

Beliebt ist beispielsweise die falsche Beugung des Wortes „Autor“. Bilde ich mir das ein oder haben die Leute wirklich verlernt, wie man dieses Wort richtig dekliniert? Offensichtlich ist dies auch schon der Dudenredaktion aufgefallen, denn es gab zu dem Thema „Beugung von Substantiven auf -or“ einen eigenen Artikel im Newsletter vergangenen Herbst:

Häufig Probleme bereitet vor allem im Singular die Beugung der Substantive auf –or, z. B. Autor, Lektor, Direktor. Heißt es nun dem Autoren oder doch eher dem Autor, ist den Direktoren oder doch den Direktor richtig?
Bei der Deklination solcher Substantive spielt die Betonung eine wichtige Rolle: Wird die Grundform wie in unseren drei Beispielen auf der vorletzten Silbe betont, gehört das Substantiv der gemischten Deklination an, d. h., es wird im Singular stark, im Plural schwach dekliniert, also der Autor, des Autors, dem Autor und den Autor sowie die, der, den, die Autoren.
Wird die Grundform jedoch auf der letzten Silbe betont, wie bei dem Wort der Major, wird nicht nur der Singular, sondern auch der Plural stark dekliniert, also die Majore, der Majore, den Majoren, die Majore.
Einen Sonderfall stellt das Wort Motor dar: Das Substantiv hat eine starke und eine schwache Pluralform. Der schwache Plural die Motoren gehört zum Singular Motor mit der Betonung auf der ersten Silbe. Es existiert daneben aber auch eine starke Pluralform, die Motore, die zum Singular Motor mit Betonung auf der zweiten Silbe gehört. Beide Betonungen und beide Pluralformen gelten als korrekt.

Dieser Auszug verdeutlicht wunderschön, was ich bereits vorher erwähnt habe – sehr viele Wörter führen quasi ein „Eigenleben“ in unserer Sprache. Der Autor gehört allerdings nicht dazu, also sollten wir doch so nett sein, ihm auch den richtigen Dativ bzw. Akkusativ zu gönnen 😉 .

Was mir in letzter Zeit ebenfalls wieder untergekommen ist, ist die „Triologie“. Wie kommen die Leute bloß auf die Idee, dass hier die Rede von einem Trio sein könnte? Verständlicherweise gibt es viele verschiedene Mehrteiler – aber sie werden ausnahmslos mit einer griechischen Vorsilbe eingeleitet, um zu betonen, aus wievielen Teilen eine Reihe besteht. Duo, Trio oder Quartett haben hier absolut nichts verloren – man spricht also von Dilogie, Trilogie oder Tetralogie, wenn man zwei-, drei- oder vierteilige Reihen mit einem Fremdwort beschreiben will. Und selbst wenn man sich nicht sicher ist: Es gibt auch das Wort „Dreiteiler“!

Fremdwörter scheinen allerdings für viele Leute wirklich echte Stolpersteine zu sein. Anders ist auch die häufige Verwendung des Wortes „Rezession“ nicht zu erklären, wenn man eigentlich eine „Rezension“ meint. Schön, die Wörter sind sich von der Schreibung her ziemlich ähnlich. Aber eine wirtschaftliche Talfahrt mit einer Besprechung zu verwechseln, ergibt im besten Fall eine humorige Note, im schlimmsten Fall ist es nur peinlich für den Rezensenten. In diesem Fall kann ich mich eigentlich nur wiederholen: Wer sich nicht sicher ist, schreibt lieber „Besprechung“ oder „Bewertung“, da kann man deutlich weniger falsch machen!

Dies sind nur drei Beispiele, die mir in letzter Zeit untergekommen sind und ich musste nicht einmal lange nach ihnen suchen … Dass wir nicht immer perfektes Deutsch schreiben, ist mir dabei völlig klar. Tue ich ja auch nicht. Aber solche Fehler stoßen mir deswegen sauer auf, weil ich das Gefühl habe, dass sie aus Ignoranz und Dummheit entstehen. Weil es vielen Leuten anscheinend tatsächlich egal ist, was und wie wir schreiben … Und das wiederum schmerzt mich, weil ich das Gefühl habe, dass unsere Sprache ebenfalls ein Stückchen wertvolle Kultur ist. Kultur, die man pflegen sollte, mit der man sich auseinandersetzen sollte und die man vor allem nicht als selbstverständlich ansehen sollte!

4 Gedanken zu „Ein Fall für den Autor oder den Autoren?

  1. schnipseltippse

    Ich muss ja gestehen, dass Grammatik in der Schule voll an mir vorbei gegangen ist. Diese ganzen Regeln und Begriffe fand ich immer schrecklich. So kann ich heute zwar ziemlich fehlerfrei sprechen und schreiben (denke ich zumindest – und von den Kommas mal ganz abgesehen), aber wehe, jemand fragt mich nach einer Regel. Ich kann so gut wie nichts erklären.

    Ich schreibe also immer aus dem Bauch heraus und nach Gefühl. Ich habe immer schon sehr viel gelesen, das hat natürlich geholfen. Nun stolpere ich aber in letzter Zeit immer öfter über „jemand“, wo ich denke, dass es “ jemanden“ oder „jemandem“ heißen müsste. Ich stolpere so oft darüber, dass ich mich inzwischen frage, ob ich mit meinem Gefühl dafür falsch liege.

    Z.B.:
    ‚Ich habe heute jemanden gesehen‘. Das halte ich für richtig.
    Oder ‚ich habe das Buch schon jemandem gegeben‘.

    Kann es wirklich sein, dass in diesen Fällen ‚jemand‘ heissen müsste? Das hört sich für mich falsch an…
    Ich würde mich über deine Meinung dazu wirklich freuen.

    (Ein bisschen Nachhilfe kann ja nicht schaden, auch auf meine alten Tage nicht 😋)

    Antwort
    1. Henriette Autor

      Hey 🙂

      Deinen Namen find ich ja mal cool :). Was „jemand“ betrifft, bin ich auch jemand (sic!), der dieses Wort beugt. Ich sage also auch, dass ich jemanden gesehen habe oder jemandem etwas gegeben habe.

      Freund Duden erlaubt allerdings tatsächlich beides. Ich hatte das auch so in Erinnerung, weil ich das schon mal nachgeschlagen habe.
      Ich wollte aber auf Nummer sicher gehen, ehe ich dir antworte und hab deswegen nochmal nachgesehen: http://www.duden.de/rechtschreibung/jemand

      Und was die Nachhilfe angeht: Die geb ich mir auch immer wieder – Deutsch ist und bleibt eine Herausforderung 😀 .

      Antwort
        1. Henriette Autor

          Da bin ich ganz bei dir! Deswegen halte ich es bei meinen Texten so, wie es mir besser gefällt. Schreibt es jemand anders, korrigiere ich es aber nicht. Ist ein ganz guter Kompromiss, denke ich ;).

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