Essen wie Gott – ja, wo eigentlich?

Jedes Jahr im Herbst ist es soweit: Eine neue Ausgabe des Gault-Millau erscheint, neben dem Guide Michelin, wohl der bekannteste Restaurantführer unserer Gegenwart. Der Gault-Millau ist außerdem dafür verantwortlich, dass wir in unseren Breitengraden so gerne von „Haubenküche“ sprechen, wenn es darum geht, exklusiv essen zu gehen.

Der Führer vergibt maximal 20 Punkte, erreicht ein Restaurant allerdings 13 oder 14 Punkte, darf es sich zusätzlich mit einer Kochmütze – bei uns in Österreich „Haube“ genannt – schmücken. Je mehr Punkte man bekommt, desto mehr Hauben gibt es. Das Maximum – vier Hauben – gibt es ab 19 Punkten, die aber wirklich sehr, sehr rar sind. In Österreich gibt es genau drei Lokale, die für 2016 mit dieser Anzahl von Punkten versehen wurden, 20 Punkte hat es laut Wikipedia bei uns überhaupt noch nie gegeben.

Beef Tatar

Warum ich das so ausführlich erkläre, hat einen guten Grund. Ich habe nämlich wieder einmal in einem solchen Haubenlokal gegessen. Ich bin zwar mittlerweile ziemlich skeptisch, was die sogenannte „Haute Cuisine“ angeht, aber da es sich jemand gewünscht hat, der mir sehr am Herzen liegt, habe ich ein paar Tage vorher einen Tisch reserviert. Per Mail, da dies die Website des Restaurants angeboten hat. So weit, so gut.

Vor Ort angekommen, weiß natürlich niemand von dieser Reservierung. Ah jaaaaa … Gut, ein Tisch in der Nähe des Eingangsbereichs ist noch frei. Die junge Bedienung reicht uns die Karte, auf der zwei Menüs verzeichnet sind, wo man sich aussuchen kann, ob man sechs oder sieben Gänge essen will. Es gibt allerdings noch ein weiteres Menü, dass ein gewisser Kaffee-Anbieter „sponsert“, das deutlich günstiger ist. Wir entscheiden uns für letzteres, weil es für uns ja das erste Mal ist, dass wir in dieses Restaurant gekommen sind und wir eigentlich nur das Lokal kennenlernen wollen.

Ehe das erste Gericht vor unseren Tischen landet, werden wir vorgewarnt: Hier gibt es nicht nur einen, sondern gleich mehrere Grüße aus der Küche … Okay, na dann schauen wir mal. Am Ende essen wir vier solcher Häppchen (auch Amuse-Gueule genannt), ehe die Vorspeise und dann die Hauptspeise kommt. Auf ein Dessert verzichten wir, trinken stattdessen den in das Menü integrierten Kaffee, zu dem noch ein süßer „Gruß“ serviert wird. Was ich hier jetzt allerdings kurz und bündig beschreibe, kostet uns etwa drei Stunden Zeit …

Immerhin verfliegt diese im Nu, da wir entspannt sind und viel zu plaudern haben. Als die Vorspeise allerdings vor mir steht, frage ich mich das erste Mal, ob ich hier auch satt werde … Der Teller sieht ja ganz nett aus, der Inhalt ist allerdings in nicht einmal fünf Minuten verzehrt. Auch das Hauptgericht ist nicht viel größer, weswegen ich mich nun ernsthaft frage, ob a) satt werden nun überbewertet wird und b) mein Magen oder „nur“ mein Gaumen gekitzelt werden soll.

Ersterer grummelt irgendwie auch nach dem süßen Gruß immer noch vor sich hin, sodass ich gar nicht anders kann, als weiter von Essen vor mich hin zu träumen … Die viel gerühmte Geschmacksexplosion hat sich mir leider auch nicht erschlossen – oder ist meine Zunge schon so verkorkst, dass sie nichts mehr schmeckt? Ich fürchte, die Antwort wird mir das Schicksal wohl schuldig bleiben.

Kuchen

Das Ende dieses denkwürdigen Tages ist auf jeden Fall, dass wir auf dem Heimweg noch in eine Konditorei einkehren … Bei Prosecco und Haustorte lässt sich dieses Erlebnis am besten besprechen – und im Grunde sind wir uns einig, dass wir schon lange nicht mehr so „ungewöhnlich“ gegessen haben. Wir beschließen, es als Erfahrung zu verbuchen. Eine Erfahrung, die nicht so bald eine Neuauflage braucht …

Nachsatz: Einen Tag später habe ich übrigens hervorragende Nudeln mit Tomaten-Obers-Thunfischsauce gegessen. Eine kleine Portion mit Parmesan, weil deren Größe für mich tadellos ausreicht – und vom Preis rede ich lieber gleich gar nicht … Ergo: Frau genießt und schweigt jetzt :).

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