Ist ein Blogger automatisch ein Influencer?

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Wer ein Blog betreibt, ist mittlerweile nicht mehr davor gefeit, gewisse Mails zu bekommen, in dem man gefragt wird, ob man sich nicht für sein Blog Kooperationen mit Unternehmen oder Koop-Agenturen (Ich nenne diese Portale der Einfachheit halber immer so, weil ich nicht weiß, wie sie wirklich bezeichnet werden) vorstellen kann. Regelmäßig findet man Diskussionen im Netz, wo es darum geht, wie viel ein Blogger für einen Beitrag verlangen kann.

Dies verleitet meiner Meinung nach ziemlich rasch zu dem Gedanken, dass ja jeder ein Blog eröffnen und dann damit Geld verdienen kann, denn er ist ja nun ein Influencer, der seinen Lesern regelmäßig etwas empfiehlt …

Als Influencer das große Geld verdienen?

Dass die Wirklichkeit allerdings ein klein wenig anders aussieht, erkennt man meiner Meinung nach schon daran, dass sich nicht jedes Blog und damit nicht jedes Thema wirklich für die Monetarisierung eignet. Es gibt genügend Bereiche, wo entweder kaum Geld oder auch kein Interesse da ist, die Reichweite eines Bloggers für die eigene Werbung zu nutzen. Es ist nicht alles Gold, was glänzt – schon gar nicht beim viel beschworenen Influencer Marketing.

Einfach mal ein Blog eröffnen, ein paar Leser finden und schon Geld kassieren? Tja, soooo läuft der Hase nicht … Auch wenn es gerne so vermittelt wird, denn die Blogs in den Bereichen Technik, Fashion, Lifestyle, Food und Reisen sind diejenigen, die es vormachen. „Erfolgsgeschichten“ von Bloggern, die heute im Jahr sechsstellige Beträge mit dem Bloggen verdienen, tun ihr Übriges, dieses Bild in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Letztendlich ist es aber nichts anderes als eine weitere Variante dessen, womit man wirklich gut verdienen kann: Nämlich anderen einen Traum zu verkaufen.

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Wie die Dinge wirklich liegen, merkt man als Blogger spätestens dann, wenn man sich ein Thema ausgesucht hat, wo es um genau die bereits erwähnten Themen NICHT geht. Oder wo die Zielgruppen zwar vorhanden, aber zu wenig Geld da ist. Ein gutes Beispiel ist die Buchbloggerszene, die gerade erst im Frühjahr wieder einmal die Monetarisierungs-Sau durch die Gassen getrieben hat. Sinnvolle Antworten auf die Fragen, wie man als Buchblogger Geld verdienen kann, gab es keine, denn die Monetarisierungsmechanismen aus der Fashion & Lifestyle-Szene lassen sich hier nicht anwenden. Welcher Kleinverlag hat auch das Geld, bei einem Blogger 500 Euro oder mehr für einen Artikel hinzulegen?

Welche Aussagekraft haben Leser- bzw. Follower-Zahlen?

Traurig, aber wahr: Wer in der falschen Szene zuhause ist und nicht die geforderten Leser- und Followerzahlen schafft, auf die die Unternehmen nach wie vor so gerne schielen, schaut durch die Finger. Wie authentisch diese Zahlen nun wirklich sind, lassen wir mal im Raum stehen (Mir würden jedenfalls sofort ein paar Methoden einfallen, wie man diese manipulieren kann) …

Wie sehr sich hier mittlerweile Unternehmen in die eigene Tasche lügen, sieht man bei Kampagnen, wo „artfremde“ Blogger ausgesucht werden, weil sie – ja, ihr habt es erraten – die entsprechenden Zahlen vorweisen können. Ob das sinnvoll ist oder nicht, sei einmal dahingestellt, aber es zeigt schön, wo die Entwicklung hingeht, wenn das Marketing-Budget zusammengestellt wird. Zielgruppen? Leser? Fehlanzeige – die Follower-Zahlen, äh, Fakten, sind alles, was interessant sind.

Influencer Marketing – die große unbekannte Variable?

Das Spannende dabei ist, dass es aber genau diese Fakten sind, die man nicht nachvollziehen kann. Nach wie vor fehlen die Möglichkeiten, wirklich zu sehen, ob X oder Y ein bestimmtes Produkt gekauft hat, weil es Z auf seinem Blog vorgestellt hat. Die sogenannte Customer Journey spielt sich mittlerweile sowohl online als auch offline ab – und wer ein bestimmtes Produkt im Geschäft kauft, weil er darüber vor zwei Monaten auf einem Blog gelesen hat, hat eine Reise hinter sich, die im Großen und Ganzen noch immer nicht für die geldgebenden Unternehmen nachvollziehbar ist …

Was lernen wir daraus? Wer Geld in eine solche Influencer-Kampagne steht, hat einige unbekannte Variablen in der Marketing-Gleichung – und letztendlich geht es also doch wieder um SEO, Links, Werbung und Aufmerksamkeit, denn das ist das einzige, was so halbwegs messbar ist. Wer als Blogger auf der richtigen Seite der Medaille daheim ist, hat die Chance, etwas von diesem Werbe-Etat-Kuchen abzubekommen. Die anderen – tja, von denen spricht keiner …

3 Gedanken zu „Ist ein Blogger automatisch ein Influencer?

  1. Florian Born

    Hey, Henriette 🙂

    Toller Artikel, muss dir allerdings bei einem kleinen Punkt widersprechen/etwas anfügen: Von den USA ausgehend zeigt in Sachen Influencer ein neuer Trend, der eben wesentlich stärker auf Qualität denn Quantität der Follower zieht. „Micro-Influencer“ sind kleinere IG-Accounts oder Blogger, die aber dafür wesentlich höhere Engagement-Raten haben. Ein Trend, der sich auch hierzulande vielleicht irgendwann mal durchsetzen wird 🙂

    LG

    Antwort
    1. Henriette Autor

      Hi Florian!

      Ich habe schon einmal darüber gelesen, denn mir ist der Begriff im Gedächtnis geblieben – Micro-Influencer. Wobei die offenen Fragen aber bleiben, finde ich. Gerade bei den „kleinen Influencern“ wird es schwieriger, denn wie entscheide ich als Unternehmen, mit welchen ich zusammenarbeite möchte und mit welchen nicht? Wobei es hier die Koop-Agenturen nicht schlecht machen, ich schätze, sie werden in Zukunft noch mehr die Vermittler-Rolle zwischen Blogger und Unternehmen einnehmen …

      Liebe Grüße
      Henriette

      Antwort

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