Rezension: Bastian Sick – „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ Band 6

Bastian Sick ist wohl mittlerweile jedem ein Begriff, der sich nur ein bisschen mit der deutschen Sprache auseinandersetzt. Bereits seit mehr als zehn Jahren unterhält er uns mit seinen Zwiebelfisch-Kolumnen zu Eigenarten und Merkwürdigkeiten unserer Rechtschreibung, Grammatik und Sprache allgemein. Band 6 ist allerdings laut KiWi-Verlag der letzte Band dieser Reihe. Wenn es sich der Verlag nicht anders überlegt, kann man mit gutem Gewissen behaupten, dass nun eine Ära zu Ende geht …

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod Band 6

Ich erinnere mich noch lebhaft daran, als ich seinerzeit den ersten Band in die Finger bekam. Bastian Sick ist es zu verdanken, dass mir damals das erste Mal auffiel, dass es ursprünglich im Deutschen eigentlich „Sinn ergeben“ und nicht „Sinn machen“ geheißen hat … Daher habe ich auch seither jedes neue Buch mit großem Interesse gelesen, es ist wirklich erstaunlich, welche Überraschungen und Tücken das Deutsche selbst für Muttersprachler birgt :). Aber gut, was erwartet uns nun im letzten Teil? Der Klappentext gibt Auskunft.

Der Klappentext

Das Letzte aus dem Irrgarten der deutschen Sprache
Zwölf Jahre ist es her, da begann ein Fischlein namens Zwiebelfisch seine abenteuerliche Reise durch den Irrgarten der deutschen Sprache. Viel hat es dabei erlebt und zahlreiche Freunde gewonnen. Die Kolumnen des Zwiebelfischs wurden unter dem Titel »Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod« zu einem der größten Bestseller des Jahrzehnts und der Zwiebelfisch unter seinem Klarnamen Bastian Sick zu einer bekannten Größe der deutschen Unterhaltungskunst. Seit 2004 sind fünf Bände erschienen, die sich millionenfach verkauften. Nun erscheint der sechste und letzte Teil. Darin stellt der Autor noch einmal einige besonders bemerkenswerte sprachliche Phänomene vor. Total verrückte Filmtitel, rätselhafte Abkürzungen, stillose Werbung und die Abschaffung der Schreibschrift sind nur ein paar seiner Themen. Außerdem enthalten: Sicks schmissige »Ode an den Konjunktiv« und seine Antwort auf die Frage einer Schülerin »Was ist Liebe?«

Meine Meinung zum Buch

Dieses Mal hat es Bastian Sick die Lyrik angetan, denn das Buch beginnt und endet mit einem Gedicht. Der Auftakt ist nichts anderes als eine Liebeserklärung an das Deutsche – und im Vergleich nehmen sich die Anglizismen darin wirklich armselig aus.

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Wie bereits in den früheren Bänden stellt auch der sechste Band ein buntes Potpourri an sprachlichen Fragen, Informationen und Spekulationen dar. Sogar der Klappentext bezieht sich sehr gelungen auf das, worum es in dem Buch geht (Siehe „Nach dem Letzten geht noch was!“).

Jedes Kapitel ist ähnlich aufgebaut: Sick erzählt, wie er zu der Fragestellung kam (Freunde, Briefe, etc.). Dann folgt, was er für die Antwort herausgefunden hat. Während Fragen zur Rechtschreibung sich meistens relativ eindeutig beantworten lassen (Wobei das Hin und Her zwischen alter und neuer Rechtschreibung unser Deutsch wohl noch länger beeinflussen wird), sieht das bei Fragen zur Sinnhaftigkeit schon anders aus. Politisch korrektes Deutsch oder Handelsdeutsch sind ganz eigene Welten, das beweisen die entsprechenden Kapitel, in denen Sick in diese Welt eintaucht :).

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Persönlich am spannendsten fand ich dieses Mal die Kapitel, die sich mit der starken und schwachen Beugung von Adjektiven beschäftigen – da hatte sogar ich einen Aha-Effekt :D. Unterhaltsam waren aber auch die Kapitel zum Thema „Haare“, zur Zeitmessung (Wie man die Zeit zählt, ist alles anderes als eindeutig – wie sagt ihr beispielsweise zu 08:15 Uhr?) und zu den Sprichwörtern und Phrasen, die wir aus der Bibel ins Deutsche übernommen haben.

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Überhaupt beschäftigt sich Sick in diesem Buch mehrmals mit Wörtern, die wir aus anderen „Quellen“ in unsere Sprache übernommen haben. Anglizismen und Gallizismen (Ja, es gibt auch einen Ausdruck für französische Wörter, die ins Deutsche eingewandert sind!) sind uns ja vertraut, aber wie viel aus dem Jiddischen schon vor langer Zeit Einzug gehalten hat, ist uns in den meisten Fällen gar nicht bewusst. Bastian lässt es sich hier nicht nehmen, eine Tabelle mit einer Liste am Ende anzuhängen, um zu zeigen, wie viele Begriffe es sind.

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Eines meiner liebsten Kapitel gegen Ende ist das, das sich mit dem kürzesten Wort in unserer Sprache beschäftigt: Das O ist nämlich nicht nur ein Buchstabe, sondern kommt auch in so schönen Formulierungen wie „O weh“ oder „O du Fröhliche“ vor. Bastian widmet dieser Bedeutung des Os ein ganzes Kapitel – und dieses O hat mit dem Oh nicht viel gemeinsam (außer vielleicht einen O-Effekt 😀 ).

Mein Fazit

Wie man merkt, hat mich dieser letzte Band wieder einmal sehr begeistert. Nicht jedes Kapitel hat mich jetzt beim Lesen wirklich angesprochen, aber die Mischung macht es aus. Manches fand ich interessant, manches wusste ich nicht, manches dagegen schon – und manches überraschte mich auch. Unter anderem das Gefühl, eigentlich gar nicht zum Ende des 272 Seiten starken Buches kommen zu wollen … Denn dieser Band schließt etwas ab, was uns lange Zeit treu begleitet hat. Wer wird uns nun in Zukunft vor Augen führen, was Deutsch ausmacht und was für eine lebendige Sprache wir haben?

3 Gedanken zu „Rezension: Bastian Sick – „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ Band 6

  1. TomInMuc

    Ach. Da gab es noch mehr Bände? Ich habe nur die ersten drei. Gut zu wissen! Dann werde ich mir die anderen Bände auch holen. Ohne Deinen Beitrag hätte ich das nicht mitbekommen! 🙂

    Antwort

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