Instagram kopiert Snapchat – na und?

Mittlerweile ist es mehr als zwei Jahre her, dass ich hier einen langen Artikel veröffentlicht habe, was die Faszination von Instagram ausmacht. Die Frage nach dem Warum erfreut sich offensichtlich nach wie vor einer gewissen Beliebtheit, denn die meisten Nutzer finden genau deswegen noch immer auf mein Blog 😀 …

In der Zwischenzeit hat sich vieles getan, Istagram hat ein neues Logo bekommen, ein neues Layout und Videos können ebenfalls gepostet werden. Letzte Woche ist außerdem eine neue Funktion dazugekommen, die eine gewisse Empörung in der Szene hervorgerufen hat: die Instagram Stories. Warum? Weil die Entwickler unumwunden zugegeben haben, bei den Snapchat Stories abgekupfert zu haben.

story

Die App mit dem Gespenst als Logo gibt es bereits seit 2011. Der Hype um Snapchat ist allerdings erst in den letzten zwei Jahren in der Marketing-Branche so richtig hochgekocht, als es hieß, dass jetzt dort all die Jugendlichen zuhause sind, die die Werbetreibenden so händeringend zu erreichen versuchen … Bekannt ist die App auch dafür, dass deren Inhalte nach 24 Stunden wieder verschwinden (wobei das natürlich relativ zu sehen ist, sagen wir lieber, die Nutzer haben keinen Zugriff mehr darauf).

Eine weitere beliebte Aussage im Zusammenhang mit Snapchat: Nutzer ab 30 Jahren bleiben außen vor, weil sie mit der Bedienbarkeit der App nicht klarkommen. Mag sein, dass das stimmt, da die App einen anderen Ansatz verfolgt. Es bedeutet aber nicht, dass nicht auch Jüngere so ihre Probleme mit der App haben :D.

Die Antwort auf die Frage, warum Snapchat bei älteren Nutzern aktuell weniger Verbreitung findet, sehe ich eher darin, dass sich viele fragen, wofür sie denn Snapchat eigentlich verwenden sollen. Die Messenger-Funktionen decken auch andere Netzwerke und Apps erfolgreich ab, das Verschwinden der Nachrichten (was Snapchat mittlerweile durch die „Memories“-Funktion selbst erfolgreich aufgeweicht hat) ist im Grunde wahrscheinlich nicht so zugkräftig, wie manche annehmen.

Das zweite bisherige Alleinstellungsmerkmal hat Instagram jetzt erfolgreich Snapchat entzogen: die Stories. Wer bisher nicht bei Snapchat war, aber Stories gerne kennenlernen wollte, hat jetzt die Chance dazu. Und das ohne die Auflage, eine weitere App installieren zu müssen, die man erst einmal benutzen lernen muss.

Die Unternehmen freut’s jedenfalls, denn die Reichweite ist auf Instagram deutlich höher. Instagram war von Anfang an mehr auf das Verfolgen von einzelnen Accounts ausgelegt als Snapchat, das in meinen Augen eher auf die direkte Kommunikation mit Freunden abzielt. Während die Stories bei Snapchat mit ihrem „unperfekten“ und spontanen Ansatz eigentlich nur eine Ergänzung zur Maxime der App darstellen, bringen sie allerdings bei Instagram eine deutliche Neuerung: Die perfekten Hochglanzbilder, wo wirklich alles bis ins kleinste Detail arrangiert wird, stellen schon einen krassen Gegensatz zu den manchmal unscharfen und verwackelten Bildern aus den Stories dar.

Ich kenne Instagram noch aus einer Zeit, wo die App denselben Ansatz wie Snapchat verfolgt hat. Wo das „Insta“ im Namen wirklich bedeutet hat, spontan Bilder zu schießen und online zu stellen. Nicht umsonst ähneln noch heute viele Filter den Ergebnissen, die man beispielsweise mit alten Polaroid Kameras schießen konnte. Die entsprechenden Foto-Rahmen dazu hat Instagram ebenfalls geboten – aber wer benutzt sie heute noch?

polaroid-kamera

© Adrian Korte / cmd-a.de

Im Gegenteil: Innerhalb weniger Jahre wurde Instagram die App für bis ins letzte Detail vorbereitete Inhalte – und damit auch so beliebt für das In-Szene-Setzen von Personen, Gegenständen, Landschaften etc. Die Ergebnisse sind in manchen Fällen allerdings schon so künstlich, dass ich sie richtig schrecklich finde. Es ist wie jeden Tag Schokolade essen: Am Anfang ist man noch begeistert, aber nach und nach setzt ein gewisser Sättigungseffekt ein, weil die Bilder bei den verschiedenen Accounts immer austauschbarer werden …

Offensichtlich hat das auch Instagram erkannt: Die Stories stellen meiner Meinung nach einen interessanten Ansatz dar, den Inhalten zu mehr Spontanität zu verhelfen. Natürlich können auch Hochglanzfotos zu einer Story zusammengestellt werden (vorausgesetzt sie sind nicht älter als 24 Stunden), aber der Foto-Perfektionismus funktioniert derzeit nur in Ansätzen. Spätestens wenn es um Videos im Hochformat geht, wird es aufwendig – und das für eine Präsentation, die auch bei Instagram nach 24 Stunden verschwunden ist …

Noch ist nicht absehbar, ob die Stories Instagram neuen Aufwind bescheren werden, da jetzt verständlicherweise erst einmal die Test- und Spiel-Phase bei den meisten ausgebrochen ist. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass die Strategie aufgehen wird – ich habe an mir selbst beobachtet, dass mir Instagram derzeit wieder mehr Spaß macht, weil die Stories so herrlich normal sind :D.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s