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Eine Führung durch die Herz-Jesu-Kirche Graz

Im Rahmen der langen Nacht der Kirchen gab es wieder einmal die Gelegenheit, die Herz-Jesu-Kirche von einem anderen Blickwinkel aus kennenzulernen. Und dieses Jahr habe ich es endlich geschafft, mir rechtzeitig eine Zählkarte für eine Führung zu holen – juhu 🙂 .

Graz Herz Jesu Kirche

© Marion Schneider & Christoph Aistleitner

Treffpunkt war um 21.00 Uhr beim Aufgang zur Orgel, von wo es dann auch schon in schwindelerregende Höhen ging. Warum? Der Kirchturm ist der dritthöchste Kirchturm in Österreich, in der Steiermark sogar der höchste mit einer Höhe von etwa 109 Metern. Diese Höhe ergibt sich durch den Baustil, der Neugotik. Die Kirche ist also deutlich jünger, als sie aussieht … Erbaut wurde sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts in etwa zehn Jahren (wenn man die Weihe mitzählt).

Bei der Führung bekamen wir zuerst die Orgel gezeigt, was bereits einen ersten, eher ungewohnten Blick auf das Kirchenschiff und den Altar ermöglichte. Die Glasfenster haben im Gegensatz zu den Glocken die beiden Weltkriege sogar überlebt, sind also Originale aus der Entstehungszeit der Kirche.

Danach ging’s weiter in den Turm. Selbstverständlich kletterten wir nicht bis zur Spitze hinauf, jedoch kann man ohne Probleme bis zum Glockenstuhl kommen, der sich ungefähr in einer Höhe von 60 Metern über dem Boden befindet. Raus- und runterschauen durchaus nur für diejenigen geeignet, die keine Höhenangst haben!

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Interessant ist außerdem, dass die Kirchenturmuhr noch immer ein mechanisches Uhrwerk hat. Deswegen hat das zur Folge, dass die Uhr nachgestellt werden muss, wenn es zu Temperaturschwankungen kommt (Die Gewichte dehnen sich entsprechend aus). Elektrisch werden tatsächlich nur die Gewichte hochgezogen – und natürlich die Glocken geläutet.

Die Glocken selbst sind aus Stahl, bis auf die Totenglocke (Diese besteht aus Bronze). Letzterer  blieb das Schicksal erspart, so wie die übrigen im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen zu werden. Das Läuten hört man übrigens nur dreimal am Tag, um sieben, um zwölf und um neunzehn Uhr, die Viertelstunden etc. werden nur kurz mit einem Hammer angeschlagen. Wir hatten aber das Glück, nicht direkt unter einer der Glocken zu stehen, als dies der Fall war. Laut genug war der Schall auch unterhalb im Turm noch immer 😀 …

Falls ihr euch ein Bild machen wollt, wie das aussieht bzw. wie sich das anhört, wenn alle Glocken geläutet werden: Bei Youtube habe ich ein passendes Video gefunden.

Nachdem ich in der unmittelbaren Nähe der Kirche lebe, kann ich außerdem bestätigen, dass man dank ihr die Zeit nie vergisst – vor allem nicht morgens 😉 .

Anschließend ging es weiter zum Gewölbe. Das bedeutet, wir spazierten also unterhalb des Dachs, aber oberhalb des Kirchenschiffs auf Holzbohlen bis in den Altarbereich. Auch hier gibt es wieder eine Stelle, wo man nach unten gucken kann … Habe ich schon erwähnt, dass die Kirche hoch ist?

Begleitet von Swing und Jazz (Es gab jede Menge Musikprogramm bei der langen Nacht!) stiegen wir über eine Wendeltreppe wieder nach unten. Diese öffnet sich an verschiedenen Stellen zum Schiff, was weitere Blicke von oben auf den Altar und das Kircheninnere ermöglichte.

Der Altar selbst ist laut unserem Führer übrigens der Votivkirche in Wien nachempfunden, davor hängt das namensgebende das „Heilige Herz“ (Daher spricht man im Englischen auch vom „Sacred Heart“ bzw. im Französischen vom „Sacre Coeur“, wenn man das „Herz Jesu“ meint!).

Dies stellte nach gut einer Stunde auch das Ende unserer Führung dar, leider. Gefallen hat es mir aber trotzdem sehr gut, das nächste Mal möchte ich aber bei Tageslicht in den Turm :). Dunkelheit und Handy sind nicht unbedingt die beste Kombination, um gute Bilder zu machen, aber wenn ihr eine Vorstellung bekommen wollt, wie so eine Führung abläuft, habe ich auch dafür ein Video gefunden 😉 .

Serientipp: Sherlock Holmes

Zu Pfingsten war’s so wieder einmal so weit: Die sozialen Netzwerke sind zumindest im deutschsprachigen Raum explodiert, weil der ARD angefangen hat, die vierte Staffel von „Sherlock“ zu zeigen. Seit ich die ersten Folgen von dieser Serie gesehen habe, ist eine Menge Zeit vergangen – und ich hatte auch Gelegenheit, mich neben „Elementary“ mit früheren TV-Serien zu beschäftigen, die den berühmten Detektiv zum Leben erweckt haben.

Am beliebtesten bei den Fans ist wohl die britische Serie „Sherlock Holmes“ der Produktionsfirma Granada aus den 80ern bzw. den 90ern. Obwohl ich alt genug bin und es die meisten Folgen auch zu einer deutschen Synchronisation gebracht haben, hatte ich leider nie das Vergnügen, diese Serie als Kind bzw. als Jugendliche zu sehen. Aber gut, dank Youtube lässt sich vieles nachholen 😀 .

Im Gegensatz zu „Sherlock“, das die Abenteuer ja in die Gegenwart versetzt, ist die Granada-Serie einen anderen Weg gegangen: Sie hat sich bemüht, Doyles Geschichten möglichst authentisch zu zeigen. Das beginnt beim viktorianischen Setting, geht über die passenden Kostüme bis hin zu einzelnen Dialogen, die eins zu eins den Geschichten entnommen wurden (obwohl einige Folgen vor allem gegen Ende auch Änderungen erfahren haben).

Ein weiterer Faktor, warum sich die Serie auch bei mir einen Platz im Herzen erobern konnte, ist der Schauspieler, der Sherlock Holmes verkörperte: Jeremy Brett. Zeit meines Lebens tat ich mich mit der Vorstellung schwer, wie der Sherlock Holmes aus den alten Geschichten wohl gesprochen hat, wie er sich bewegt hat, welche Bewegungen er gemacht hat. Brett füllt diese Lücke auf wirklich bemerkenswerte Weise … Allein seine Mimik – einfach toll!

Obwohl die Qualität nach modernen Standards nicht mehr unbedingt die beste ist, packt einen die Serie mit jeder Folge mehr, die man anschaut. Es ist fast ein bisschen, als ob man ein wenig in die Zeit reist, in der Sherlock gelebt und gearbeitet hat (Mal abgesehen davon, dass er ja nie wirklich existiert hat). Daher absolute Empfehlung von mir, wenn man tiefer in die Welt der Sherlock-Verfilmungen eintauchen will!

In der langen Zeit hat es die Serie auf ingesamt 41 Episoden gebracht, fünf davon in Spielfilmlänge. Dadurch wurden zwar nicht alle Geschichten verfilmt, aber doch die meisten. Seit 2007 gibt es eine Box, die alle Folgen beinhaltet. Aber Achtung: Da ich etwas länger brauchte, um mich an das Sprechtempo zu gewöhnen, suchte ich nach einer Ausgabe mit Untertiteln. Es beinhaltet aber nur die englische Ausgabe englische Untertitel, die deutsche Version enthält nur die englische Tonspur.

Am Ende habe ich mich doch für die teurere englische Fassung entschieden, da die deutsche Box zum Teil recht grausam sein soll (falsches Menü, wechselnde Synchron-Sprecher etc.). Und wenn man sich erst einmal an den charakteristischen Bass von Brett gewöhnt hat, schmerzt es, eine andere Stimme zu hören …

Netflix, Amazon Prime Video und ich

Ich glaube, ich bin gefühlt der letzte Mensch auf diesem Planeten, der sich noch nicht näher mit Video-on-Demand beschäftigt hat. Bisher hatte ich allerdings auch noch wenig Grund dazu, das normale TV hat mich zumindest bis Ostern zufriedengestellt. Warum so ein konkreter Termin? Weil zu diesem Zeitpunkt der ORF das alte DVB-T Format abgeschaltet hat, mir damit die Möglichkeit genommen wurde, dort Sendungen aufzunehmen.

Aus diesem Grund habe ich mir mal bei beiden – Netflix und Prime – den Gratis-Monat geholt, um die Anbieter ein bisschen auszuprobieren. Und eines wusste ich schon nach kurzer Zeit: Wer ein Serienjunkie ist und sich dabei hauptsächlich auf US-amerikanische Serien konzentriert, ist mit beiden gut beraten. Einige Serien sind sogar auch bei beiden Anbietern gratis dabei (wie beispielsweise „Elementary“).

Amazon Prime Video

Amazon Prime Video Angebot

Wer lieber Filme guckt, ist mit Amazon Prime besser beraten. Ganz aktuelle Filme kosten dort zwar extra (sind also nicht in Prime inkludiert), das Sortiment ist aber ingesamt deutlich größer und in Summe aktueller als bei Netflix, ist mein Eindruck. Auch bei Serien ist Amazon sehr gut sortiert, dort habe ich auch außer den Amazon Originals einiges gefunden, was bei Prime inkludiert war. Der Haken dabei: Manche Serien(staffeln) sind offensichtlich nur auf Zeit bei Prime dabei … Serienstress in Reinkultur! 😀

Auf welchem Gerät man schaut, bleibt einem ganz selbst überlassen, ich habe immer mal zwischen dem Browser und dem Tablet hin und her gewechselt. Das funktioniert auch bei Netflix sehr gut, die Geräte-Einschränkung bei den Tarifen ist offensichtlich darauf bezogen, wie viele Geräte gleichzeitig auf die Angebote des Dienstes zugreifen. Beide Apps machen ihre Arbeit ordentlich, die Benutzerfreundlichkeit fand ich allerdings bei Netflix einen Hauch besser als bei der Prime Video-App.

Netflix

Netflix Angebot

Was mir der Test allerdings auch vor Augen geführt hat, ist, dass mein Equipment nun wirklich nicht mehr das Neueste ist. HD ist gut und schön, aber auf einem HD-ready TV halt nicht so das Wahre, vor allem auch dann, wenn das Mediacenter mittlerweile einige Jahre am Buckel hat. Gewisse Dinge laufen dann sehr wahrscheinlich nicht ganz so flüssig, wie sie das auf modernen Geräten könnten.

Trotzdem hat es ausgereicht, um zu erkennen, dass das Video-on-Demand-Angebot auch bei uns mittlerweile sehr umfangreich ist. Ausgemachte Serienjunkies werden sich hier wirklich wie im Paradies fühlen. Keine Unterbrechungen, keine Werbung, kein Durcheinander beim Ausstrahlen der Episoden – das absolute Serienparadies 🙂 .

Da ich nicht mehr so der leidenschaftliche Seriengucker bin wie früher, habe ich den Testmonat wahrscheinlich nicht so extensiv genutzt wie andere, habe aber mir zumindest das zu Gemüte führen können, was ich wirklich sehen wollte.

Auf Netflix war das als erstes „Tote Mädchen lügen nicht“. Die Serie basiert auf einem Buch von Jay Asher und ist durchaus umstritten, weil sie den Selbstmord eines Teenagers darstellt bzw. und das, was dazu geführt hat. Einige Folgen haben aus dem Grund sogar eine Trigger-Warnung bekommen …

Das zweite war „Riverdale“, eine Serie, die mich in manchen Dingen ein bisschen an Twin Peaks erinnert hat. Hier fehlt mir allerdings noch die letzte Folge, da die erste Staffel wöchentlich ausgestrahlt wurde …

Darüber hinaus habe ich endlich auch weitere Folgen von „Elementary“ angeschaut, da ich bei unseren privaten Sendern nie über die erste Staffel hinausgekommen bin. Auch wenn sie bei uns immer im Schatten von „Sherlock“ steht, kommt die Serie immerhin mittlerweile auf fünf Staffeln.

Bei Amazon habe ich immerhin geschafft, mir endlich die zweite Staffel von „The Man in the High Castle“ zu genehmigen. Im Vergleich zur ersten fand ich sie eher durchwachsen, erst die letzten beiden Folgen konnten es soweit herausreißen, dass ich wieder richtig Lust bekam, weiterzuschauen.

Die zweite Serie, die ich dort durchgehend ansehen konnte, war „Heroes Reborn“. De facto ein Spin-off vom Original „Heroes“, das mit einer Mischung aus alten und neuen Schauspielern bei mir punkten konnte. Darüber hinaus sah ich mir noch einige Folgen aus der dritten Staffel von „Devious Maids“ an (Die Serie ist zum Teil so „soapig“, dass sie schon wieder witzig ist).

Mein Fazit zum Ende dieses Testmonats: Beide Anbieter haben mittlerweile ein recht umfangreiches Angebot, auf das ich in Zukunft gerne wieder zurückgreifen werde. Ich schaue mittlerweile aber zu wenig Serien, dass sich das auf Dauer wirklich auszahlt, denke ich. Da man Netflix im Grunde aber auch monatlich buchen kann (Konto reaktivieren und dann wieder kündigen?), spricht nichts dagegen, von Zeit zu Zeit Serienjunkie zu spielen.

Auch bei Amazon habe ich Prime fürs Erste wieder gekündigt (Ich habe es jetzt ja wirklich nur wegen des Video-Angebots genommen). Die meisten Vorteile zahlen sich dort in meinen Augen tatsächlich nur für regelmäßige Käufer aus, das bin ich aber nicht.

Ich sage grundsätzlich aber niemals nie, wer weiß schon, ob sich meine Unterhaltungsgewohnheiten nicht in Zukunft wieder ändern werden 😀 …

Vorschau: „Frequency“ – die Serie

The CW

© The CW

„Frequency“ ist zurück! Und damit meine ich nicht das Musikfestival, das alljährlich bei uns stattfindet, sondern den Film „Frequency“, der im Jahr 2000 erstmals ins Kino kam und der eine phantastische Geschichte über Vater und Sohn erzählte, die sich mittels eines alten Funkgeräts quer durch die Zeit unterhalten konnten. Die Hauptrollen spielten damals Dennis Quaid und Jim Caviezel.

Die Geschichte des Films beginnt damit, dass Sohn John Sullivan – im Jahr 1999 lebend – eher zufällig das alte Funkgerät seines Vaters entdeckt und es in Betrieb nimmt. Gleichzeitig herrscht starke Sonnenstrahlung, die zu einem massiven Auftreten von Polarlichtern führt. Dasselbe Phänomen tritt auch 30 Jahre früher auf, als Frank Sullivan, Feuerwehrmann und Johns Vater, noch am Leben ist. Vater und Sohn beginnen durch die Zeit miteinander zu kommunizieren und John warnt seinen Vater davor, dass dieser bei einem Feuerwehreinsatz in naher Zukunft sterben wird. Zunächst glaubt Frank nicht, was ihm John erzählt, ändert jedoch seine Meinung, als John ganz genau den Ausgang eines Baseball-Spiels vorhersagen kann.

Die Veränderung der Zeitlinie hat jedoch ungeahnte Folgen, denn ein Serienmörder, der in der ersten Zeitlinie gestorben ist, bleibt durch die Änderung der Vergangenheit am Leben – und setzt seine Mordserie fort. Frank und John müssen nun alles daransetzen, den Mann ausfindig zu machen, um zu verhindern, dass Johns Mutter in der Vergangenheit ein weiteres Opfer des Serienmörders wird. Soweit der alte Film.

Nun gibt es eine TV-Serie von „The CW“, die auf den alten Film aufsetzt und die Geschichte mit einigen Änderungen neu erzählt. Die Gegenwart ist verständlicherweise nicht mehr 1999, sondern 2016, die Vergangenheit ist das Jahr 1996. Der Vater Frank Sullivan ist ein Cop, der bei einem Undercover-Einsatz ums Leben gekommen ist und Frau und Kind zurückgelassen hat. In der TV-Serie ist das Kind aber eine Tochter namens Raimy, die in die Fußstapfen ihres Vaters getreten ist und Mordfälle aufklärt. Franks alter Partner Satch ist in der Gegenwart ihr Chef. Sie hat außerdem einen festen Freund namens Daniel, dessen Ring für einen Heiratsantrag sie gleich am Anfang bei ihm findet.

Die ersten Folgen sind mittlerweile schon auf Englisch ausgestrahlt worden und lassen darauf schließen, dass sich die Serie in vielen Punkten relativ eng an die filmische Vorlage hält, wenn auch einige Details verändert worden sind.

Die Grundidee wurde dabei aber nicht angegriffen und als Zuschauer kann man daher gut verfolgen, was es für Auswirkungen hat, wenn man die Möglichkeit hätte, Dinge in der Vergangenheit zu ändern. Die Kommunikation der beiden passiert an denselben Tagen des Jahres  – nur 20 Jahre voneinander getrennt. Raimy muss miterleben, wie ihr Vater zwar den Mordanschlag überlebt, dafür dann aber aufgrund eines Verkehrsunfalls einige Jahre später umkommt (ähnlich wie im Film). Sie kann sich nach den Veränderungen auf einmal an mehrere Realitäten erinnern und muss nun den Verlust ihres Fast-Verlobten und ihrer Mutter hinnehmen, denn Daniel und sie haben sich nie kennengelernt, da ihre Mutter für ihr Aufeinandertreffen in der ersten Zeitlinie verantwortlich war.

Ich bin zwar nicht sicher, wie lange dieser Stoff für eine Serie als Handlungsbasis dienen kann, aber der Anfang sieht zumindest einmal vielversprechend aus. Und selbst wenn der Serienmörder gefasst ist, lassen sich bestimmt noch andere Fälle quer durch die Zeit zusammenlösen. Was ich allerdings ein bisschen schade finde, ist die Tatsache, dass in der neuen Fassung ein ganz normales Gewitter für die Kommunikation quer durch die Zeit verantwortlich ist. Ein Blitz schlägt nämlich in die Hausantenne ein – et voila – das alte Funkgerät ist auf einmal wieder betriebsbereit. Das gefiel mir im Original doch ein bisschen besser, aber ich vermute, das Gewitter ist ein Zugeständnis daran, dass man ja die Serie länger am Laufen erhalten will …

Trotzdem hat die Serie das Zeug dazu, auf Dauer etwas Eigenständiges zu schaffen, wenn die Handlung zumindest staffelweise einen roten Faden hat, der sich durch die einzelnen Folgen zieht. Lassen wir uns also überraschen, mit welchen Ideen „Frequency – die Serie“ noch aufwarten wird :).

Rezension: Bastian Sick – „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ Band 6

Bastian Sick ist wohl mittlerweile jedem ein Begriff, der sich nur ein bisschen mit der deutschen Sprache auseinandersetzt. Bereits seit mehr als zehn Jahren unterhält er uns mit seinen Zwiebelfisch-Kolumnen zu Eigenarten und Merkwürdigkeiten unserer Rechtschreibung, Grammatik und Sprache allgemein. Band 6 ist allerdings laut KiWi-Verlag der letzte Band dieser Reihe. Wenn es sich der Verlag nicht anders überlegt, kann man mit gutem Gewissen behaupten, dass nun eine Ära zu Ende geht …

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod Band 6

Ich erinnere mich noch lebhaft daran, als ich seinerzeit den ersten Band in die Finger bekam. Bastian Sick ist es zu verdanken, dass mir damals das erste Mal auffiel, dass es ursprünglich im Deutschen eigentlich „Sinn ergeben“ und nicht „Sinn machen“ geheißen hat … Daher habe ich auch seither jedes neue Buch mit großem Interesse gelesen, es ist wirklich erstaunlich, welche Überraschungen und Tücken das Deutsche selbst für Muttersprachler birgt :). Aber gut, was erwartet uns nun im letzten Teil? Der Klappentext gibt Auskunft.

Der Klappentext

Das Letzte aus dem Irrgarten der deutschen Sprache
Zwölf Jahre ist es her, da begann ein Fischlein namens Zwiebelfisch seine abenteuerliche Reise durch den Irrgarten der deutschen Sprache. Viel hat es dabei erlebt und zahlreiche Freunde gewonnen. Die Kolumnen des Zwiebelfischs wurden unter dem Titel »Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod« zu einem der größten Bestseller des Jahrzehnts und der Zwiebelfisch unter seinem Klarnamen Bastian Sick zu einer bekannten Größe der deutschen Unterhaltungskunst. Seit 2004 sind fünf Bände erschienen, die sich millionenfach verkauften. Nun erscheint der sechste und letzte Teil. Darin stellt der Autor noch einmal einige besonders bemerkenswerte sprachliche Phänomene vor. Total verrückte Filmtitel, rätselhafte Abkürzungen, stillose Werbung und die Abschaffung der Schreibschrift sind nur ein paar seiner Themen. Außerdem enthalten: Sicks schmissige »Ode an den Konjunktiv« und seine Antwort auf die Frage einer Schülerin »Was ist Liebe?«

Meine Meinung zum Buch

Dieses Mal hat es Bastian Sick die Lyrik angetan, denn das Buch beginnt und endet mit einem Gedicht. Der Auftakt ist nichts anderes als eine Liebeserklärung an das Deutsche – und im Vergleich nehmen sich die Anglizismen darin wirklich armselig aus.

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Wie bereits in den früheren Bänden stellt auch der sechste Band ein buntes Potpourri an sprachlichen Fragen, Informationen und Spekulationen dar. Sogar der Klappentext bezieht sich sehr gelungen auf das, worum es in dem Buch geht (Siehe „Nach dem Letzten geht noch was!“).

Jedes Kapitel ist ähnlich aufgebaut: Sick erzählt, wie er zu der Fragestellung kam (Freunde, Briefe, etc.). Dann folgt, was er für die Antwort herausgefunden hat. Während Fragen zur Rechtschreibung sich meistens relativ eindeutig beantworten lassen (Wobei das Hin und Her zwischen alter und neuer Rechtschreibung unser Deutsch wohl noch länger beeinflussen wird), sieht das bei Fragen zur Sinnhaftigkeit schon anders aus. Politisch korrektes Deutsch oder Handelsdeutsch sind ganz eigene Welten, das beweisen die entsprechenden Kapitel, in denen Sick in diese Welt eintaucht :).

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Persönlich am spannendsten fand ich dieses Mal die Kapitel, die sich mit der starken und schwachen Beugung von Adjektiven beschäftigen – da hatte sogar ich einen Aha-Effekt :D. Unterhaltsam waren aber auch die Kapitel zum Thema „Haare“, zur Zeitmessung (Wie man die Zeit zählt, ist alles anderes als eindeutig – wie sagt ihr beispielsweise zu 08:15 Uhr?) und zu den Sprichwörtern und Phrasen, die wir aus der Bibel ins Deutsche übernommen haben.

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Überhaupt beschäftigt sich Sick in diesem Buch mehrmals mit Wörtern, die wir aus anderen „Quellen“ in unsere Sprache übernommen haben. Anglizismen und Gallizismen (Ja, es gibt auch einen Ausdruck für französische Wörter, die ins Deutsche eingewandert sind!) sind uns ja vertraut, aber wie viel aus dem Jiddischen schon vor langer Zeit Einzug gehalten hat, ist uns in den meisten Fällen gar nicht bewusst. Bastian lässt es sich hier nicht nehmen, eine Tabelle mit einer Liste am Ende anzuhängen, um zu zeigen, wie viele Begriffe es sind.

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Eines meiner liebsten Kapitel gegen Ende ist das, das sich mit dem kürzesten Wort in unserer Sprache beschäftigt: Das O ist nämlich nicht nur ein Buchstabe, sondern kommt auch in so schönen Formulierungen wie „O weh“ oder „O du Fröhliche“ vor. Bastian widmet dieser Bedeutung des Os ein ganzes Kapitel – und dieses O hat mit dem Oh nicht viel gemeinsam (außer vielleicht einen O-Effekt 😀 ).

Mein Fazit

Wie man merkt, hat mich dieser letzte Band wieder einmal sehr begeistert. Nicht jedes Kapitel hat mich jetzt beim Lesen wirklich angesprochen, aber die Mischung macht es aus. Manches fand ich interessant, manches wusste ich nicht, manches dagegen schon – und manches überraschte mich auch. Unter anderem das Gefühl, eigentlich gar nicht zum Ende des 272 Seiten starken Buches kommen zu wollen … Denn dieser Band schließt etwas ab, was uns lange Zeit treu begleitet hat. Wer wird uns nun in Zukunft vor Augen führen, was Deutsch ausmacht und was für eine lebendige Sprache wir haben?