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Serientipp: Sherlock Holmes

Zu Pfingsten war’s so wieder einmal so weit: Die sozialen Netzwerke sind zumindest im deutschsprachigen Raum explodiert, weil der ARD angefangen hat, die vierte Staffel von „Sherlock“ zu zeigen. Seit ich die ersten Folgen von dieser Serie gesehen habe, ist eine Menge Zeit vergangen – und ich hatte auch Gelegenheit, mich neben „Elementary“ mit früheren TV-Serien zu beschäftigen, die den berühmten Detektiv zum Leben erweckt haben.

Am beliebtesten bei den Fans ist wohl die britische Serie „Sherlock Holmes“ der Produktionsfirma Granada aus den 80ern bzw. den 90ern. Obwohl ich alt genug bin und es die meisten Folgen auch zu einer deutschen Synchronisation gebracht haben, hatte ich leider nie das Vergnügen, diese Serie als Kind bzw. als Jugendliche zu sehen. Aber gut, dank Youtube lässt sich vieles nachholen 😀 .

Im Gegensatz zu „Sherlock“, das die Abenteuer ja in die Gegenwart versetzt, ist die Granada-Serie einen anderen Weg gegangen: Sie hat sich bemüht, Doyles Geschichten möglichst authentisch zu zeigen. Das beginnt beim viktorianischen Setting, geht über die passenden Kostüme bis hin zu einzelnen Dialogen, die eins zu eins den Geschichten entnommen wurden (obwohl einige Folgen vor allem gegen Ende auch Änderungen erfahren haben).

Ein weiterer Faktor, warum sich die Serie auch bei mir einen Platz im Herzen erobern konnte, ist der Schauspieler, der Sherlock Holmes verkörperte: Jeremy Brett. Zeit meines Lebens tat ich mich mit der Vorstellung schwer, wie der Sherlock Holmes aus den alten Geschichten wohl gesprochen hat, wie er sich bewegt hat, welche Bewegungen er gemacht hat. Brett füllt diese Lücke auf wirklich bemerkenswerte Weise … Allein seine Mimik – einfach toll!

Obwohl die Qualität nach modernen Standards nicht mehr unbedingt die beste ist, packt einen die Serie mit jeder Folge mehr, die man anschaut. Es ist fast ein bisschen, als ob man ein wenig in die Zeit reist, in der Sherlock gelebt und gearbeitet hat (Mal abgesehen davon, dass er ja nie wirklich existiert hat). Daher absolute Empfehlung von mir, wenn man tiefer in die Welt der Sherlock-Verfilmungen eintauchen will!

In der langen Zeit hat es die Serie auf ingesamt 41 Episoden gebracht, fünf davon in Spielfilmlänge. Dadurch wurden zwar nicht alle Geschichten verfilmt, aber doch die meisten. Seit 2007 gibt es eine Box, die alle Folgen beinhaltet. Aber Achtung: Da ich etwas länger brauchte, um mich an das Sprechtempo zu gewöhnen, suchte ich nach einer Ausgabe mit Untertiteln. Es beinhaltet aber nur die englische Ausgabe englische Untertitel, die deutsche Version enthält nur die englische Tonspur.

Am Ende habe ich mich doch für die teurere englische Fassung entschieden, da die deutsche Box zum Teil recht grausam sein soll (falsches Menü, wechselnde Synchron-Sprecher etc.). Und wenn man sich erst einmal an den charakteristischen Bass von Brett gewöhnt hat, schmerzt es, eine andere Stimme zu hören …

Netflix, Amazon Prime Video und ich

Ich glaube, ich bin gefühlt der letzte Mensch auf diesem Planeten, der sich noch nicht näher mit Video-on-Demand beschäftigt hat. Bisher hatte ich allerdings auch noch wenig Grund dazu, das normale TV hat mich zumindest bis Ostern zufriedengestellt. Warum so ein konkreter Termin? Weil zu diesem Zeitpunkt der ORF das alte DVB-T Format abgeschaltet hat, mir damit die Möglichkeit genommen wurde, dort Sendungen aufzunehmen.

Aus diesem Grund habe ich mir mal bei beiden – Netflix und Prime – den Gratis-Monat geholt, um die Anbieter ein bisschen auszuprobieren. Und eines wusste ich schon nach kurzer Zeit: Wer ein Serienjunkie ist und sich dabei hauptsächlich auf US-amerikanische Serien konzentriert, ist mit beiden gut beraten. Einige Serien sind sogar auch bei beiden Anbietern gratis dabei (wie beispielsweise „Elementary“).

Amazon Prime Video

Amazon Prime Video Angebot

Wer lieber Filme guckt, ist mit Amazon Prime besser beraten. Ganz aktuelle Filme kosten dort zwar extra (sind also nicht in Prime inkludiert), das Sortiment ist aber ingesamt deutlich größer und in Summe aktueller als bei Netflix, ist mein Eindruck. Auch bei Serien ist Amazon sehr gut sortiert, dort habe ich auch außer den Amazon Originals einiges gefunden, was bei Prime inkludiert war. Der Haken dabei: Manche Serien(staffeln) sind offensichtlich nur auf Zeit bei Prime dabei … Serienstress in Reinkultur! 😀

Auf welchem Gerät man schaut, bleibt einem ganz selbst überlassen, ich habe immer mal zwischen dem Browser und dem Tablet hin und her gewechselt. Das funktioniert auch bei Netflix sehr gut, die Geräte-Einschränkung bei den Tarifen ist offensichtlich darauf bezogen, wie viele Geräte gleichzeitig auf die Angebote des Dienstes zugreifen. Beide Apps machen ihre Arbeit ordentlich, die Benutzerfreundlichkeit fand ich allerdings bei Netflix einen Hauch besser als bei der Prime Video-App.

Netflix

Netflix Angebot

Was mir der Test allerdings auch vor Augen geführt hat, ist, dass mein Equipment nun wirklich nicht mehr das Neueste ist. HD ist gut und schön, aber auf einem HD-ready TV halt nicht so das Wahre, vor allem auch dann, wenn das Mediacenter mittlerweile einige Jahre am Buckel hat. Gewisse Dinge laufen dann sehr wahrscheinlich nicht ganz so flüssig, wie sie das auf modernen Geräten könnten.

Trotzdem hat es ausgereicht, um zu erkennen, dass das Video-on-Demand-Angebot auch bei uns mittlerweile sehr umfangreich ist. Ausgemachte Serienjunkies werden sich hier wirklich wie im Paradies fühlen. Keine Unterbrechungen, keine Werbung, kein Durcheinander beim Ausstrahlen der Episoden – das absolute Serienparadies 🙂 .

Da ich nicht mehr so der leidenschaftliche Seriengucker bin wie früher, habe ich den Testmonat wahrscheinlich nicht so extensiv genutzt wie andere, habe aber mir zumindest das zu Gemüte führen können, was ich wirklich sehen wollte.

Auf Netflix war das als erstes „Tote Mädchen lügen nicht“. Die Serie basiert auf einem Buch von Jay Asher und ist durchaus umstritten, weil sie den Selbstmord eines Teenagers darstellt bzw. und das, was dazu geführt hat. Einige Folgen haben aus dem Grund sogar eine Trigger-Warnung bekommen …

Das zweite war „Riverdale“, eine Serie, die mich in manchen Dingen ein bisschen an Twin Peaks erinnert hat. Hier fehlt mir allerdings noch die letzte Folge, da die erste Staffel wöchentlich ausgestrahlt wurde …

Darüber hinaus habe ich endlich auch weitere Folgen von „Elementary“ angeschaut, da ich bei unseren privaten Sendern nie über die erste Staffel hinausgekommen bin. Auch wenn sie bei uns immer im Schatten von „Sherlock“ steht, kommt die Serie immerhin mittlerweile auf fünf Staffeln.

Bei Amazon habe ich immerhin geschafft, mir endlich die zweite Staffel von „The Man in the High Castle“ zu genehmigen. Im Vergleich zur ersten fand ich sie eher durchwachsen, erst die letzten beiden Folgen konnten es soweit herausreißen, dass ich wieder richtig Lust bekam, weiterzuschauen.

Die zweite Serie, die ich dort durchgehend ansehen konnte, war „Heroes Reborn“. De facto ein Spin-off vom Original „Heroes“, das mit einer Mischung aus alten und neuen Schauspielern bei mir punkten konnte. Darüber hinaus sah ich mir noch einige Folgen aus der dritten Staffel von „Devious Maids“ an (Die Serie ist zum Teil so „soapig“, dass sie schon wieder witzig ist).

Mein Fazit zum Ende dieses Testmonats: Beide Anbieter haben mittlerweile ein recht umfangreiches Angebot, auf das ich in Zukunft gerne wieder zurückgreifen werde. Ich schaue mittlerweile aber zu wenig Serien, dass sich das auf Dauer wirklich auszahlt, denke ich. Da man Netflix im Grunde aber auch monatlich buchen kann (Konto reaktivieren und dann wieder kündigen?), spricht nichts dagegen, von Zeit zu Zeit Serienjunkie zu spielen.

Auch bei Amazon habe ich Prime fürs Erste wieder gekündigt (Ich habe es jetzt ja wirklich nur wegen des Video-Angebots genommen). Die meisten Vorteile zahlen sich dort in meinen Augen tatsächlich nur für regelmäßige Käufer aus, das bin ich aber nicht.

Ich sage grundsätzlich aber niemals nie, wer weiß schon, ob sich meine Unterhaltungsgewohnheiten nicht in Zukunft wieder ändern werden 😀 …

Vorschau: „Frequency“ – die Serie

The CW

© The CW

„Frequency“ ist zurück! Und damit meine ich nicht das Musikfestival, das alljährlich bei uns stattfindet, sondern den Film „Frequency“, der im Jahr 2000 erstmals ins Kino kam und der eine phantastische Geschichte über Vater und Sohn erzählte, die sich mittels eines alten Funkgeräts quer durch die Zeit unterhalten konnten. Die Hauptrollen spielten damals Dennis Quaid und Jim Caviezel.

Die Geschichte des Films beginnt damit, dass Sohn John Sullivan – im Jahr 1999 lebend – eher zufällig das alte Funkgerät seines Vaters entdeckt und es in Betrieb nimmt. Gleichzeitig herrscht starke Sonnenstrahlung, die zu einem massiven Auftreten von Polarlichtern führt. Dasselbe Phänomen tritt auch 30 Jahre früher auf, als Frank Sullivan, Feuerwehrmann und Johns Vater, noch am Leben ist. Vater und Sohn beginnen durch die Zeit miteinander zu kommunizieren und John warnt seinen Vater davor, dass dieser bei einem Feuerwehreinsatz in naher Zukunft sterben wird. Zunächst glaubt Frank nicht, was ihm John erzählt, ändert jedoch seine Meinung, als John ganz genau den Ausgang eines Baseball-Spiels vorhersagen kann.

Die Veränderung der Zeitlinie hat jedoch ungeahnte Folgen, denn ein Serienmörder, der in der ersten Zeitlinie gestorben ist, bleibt durch die Änderung der Vergangenheit am Leben – und setzt seine Mordserie fort. Frank und John müssen nun alles daransetzen, den Mann ausfindig zu machen, um zu verhindern, dass Johns Mutter in der Vergangenheit ein weiteres Opfer des Serienmörders wird. Soweit der alte Film.

Nun gibt es eine TV-Serie von „The CW“, die auf den alten Film aufsetzt und die Geschichte mit einigen Änderungen neu erzählt. Die Gegenwart ist verständlicherweise nicht mehr 1999, sondern 2016, die Vergangenheit ist das Jahr 1996. Der Vater Frank Sullivan ist ein Cop, der bei einem Undercover-Einsatz ums Leben gekommen ist und Frau und Kind zurückgelassen hat. In der TV-Serie ist das Kind aber eine Tochter namens Raimy, die in die Fußstapfen ihres Vaters getreten ist und Mordfälle aufklärt. Franks alter Partner Satch ist in der Gegenwart ihr Chef. Sie hat außerdem einen festen Freund namens Daniel, dessen Ring für einen Heiratsantrag sie gleich am Anfang bei ihm findet.

Die ersten Folgen sind mittlerweile schon auf Englisch ausgestrahlt worden und lassen darauf schließen, dass sich die Serie in vielen Punkten relativ eng an die filmische Vorlage hält, wenn auch einige Details verändert worden sind.

Die Grundidee wurde dabei aber nicht angegriffen und als Zuschauer kann man daher gut verfolgen, was es für Auswirkungen hat, wenn man die Möglichkeit hätte, Dinge in der Vergangenheit zu ändern. Die Kommunikation der beiden passiert an denselben Tagen des Jahres  – nur 20 Jahre voneinander getrennt. Raimy muss miterleben, wie ihr Vater zwar den Mordanschlag überlebt, dafür dann aber aufgrund eines Verkehrsunfalls einige Jahre später umkommt (ähnlich wie im Film). Sie kann sich nach den Veränderungen auf einmal an mehrere Realitäten erinnern und muss nun den Verlust ihres Fast-Verlobten und ihrer Mutter hinnehmen, denn Daniel und sie haben sich nie kennengelernt, da ihre Mutter für ihr Aufeinandertreffen in der ersten Zeitlinie verantwortlich war.

Ich bin zwar nicht sicher, wie lange dieser Stoff für eine Serie als Handlungsbasis dienen kann, aber der Anfang sieht zumindest einmal vielversprechend aus. Und selbst wenn der Serienmörder gefasst ist, lassen sich bestimmt noch andere Fälle quer durch die Zeit zusammenlösen. Was ich allerdings ein bisschen schade finde, ist die Tatsache, dass in der neuen Fassung ein ganz normales Gewitter für die Kommunikation quer durch die Zeit verantwortlich ist. Ein Blitz schlägt nämlich in die Hausantenne ein – et voila – das alte Funkgerät ist auf einmal wieder betriebsbereit. Das gefiel mir im Original doch ein bisschen besser, aber ich vermute, das Gewitter ist ein Zugeständnis daran, dass man ja die Serie länger am Laufen erhalten will …

Trotzdem hat die Serie das Zeug dazu, auf Dauer etwas Eigenständiges zu schaffen, wenn die Handlung zumindest staffelweise einen roten Faden hat, der sich durch die einzelnen Folgen zieht. Lassen wir uns also überraschen, mit welchen Ideen „Frequency – die Serie“ noch aufwarten wird :).

Serientipp: The Man in the High Castle

Schaut ihr TV-Serien? Seit ich zurückdenken kann, konnte ich mich immer wieder für einzelne Serien begeistern, denen ich auch meistens die Treue bis zum Schluss gehalten habe (Gut, es hat auch Ausnahmen gegeben, aber die sind eher rar 🙂 ). Ich habe zwar nicht viel Zeit, aber eine Handvoll Serien sind es doch, bei denen ich pro Jahr kleben bleibe …

The Man in the High Castle

© Amazon.com Inc.

Eine davon wird sehr wahrscheinlich „The Man in the High Castle“ werden. Diese Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Philip K. Dick, den der Autor im Jahr 1962 veröffentlicht hat. Amazon hat sich nun des Stoffes angenommen und daraus eine Serie gemacht. So ihr einen Prime-Account habt, könnt ihr die Folgen mittlerweile sogar auf Deutsch anschauen.

In „Das Orakel vom Berge“ – so heißt das Buch auf Deutsch – geht es um eine Parallelwelt, in der die Alliierten den Zweiten Weltkrieg verloren haben. Japan und das Dritte Reich haben das Land unter sich aufgeteilt, im Osten ist das „Greater Nazi Reich“ entstanden, während sich die westlichen Staaten zu den sogenannten „Japanese Pacific States“ zusammengeschlossen haben. Lediglich im Landesinneren gibt es noch eine neutrale Zone mit Canon City als Hauptstadt.

Karte

© Wikipedia

Die politische Lage ist in dieser Alternativwelt extrem instabil, da Adolf Hitler bald sterben wird und seine Gefolgsmänner bereits um die Nachfolge ringen. Im Zuge dieser Machtkämpfe lebt auch die Idee auf, die Japaner mittels einer Wasserstoffbombe endgültig zu besiegen und den eher wackeligen Waffenstillstand zu beenden, der nach dem Krieg geschlossen wurde. Zusätzlich macht der geheimnisvolle Mann im hohen Schloss von sich reden, der Super 8-Filme in Umlauf bringt, die eine andere Welt zeigen, eine, in der diese Alternativwelt gar nicht existiert …

Diese Filme sind es auch, die die beiden Hauptcharaktere Juliana Crain und Joe Blake in Canon City erstmals zusammenführen. Aber auch die Entwicklung der Nebencharaktere Frank Frink, Julianas Freund, und des SS-Obergruppenführers John Smith können sich sehen lassen! Zu viel möchte ich jetzt nach der ersten Staffel noch gar nicht verraten, wie ihr euch bestimmt vorstellen könnt :).

The Man in the High Castle #2

© Amazon.com Inc.

Da ich das Buch (noch) nicht kenne, kann ich nicht beurteilen, wie sehr die TV-Serie vom Buch abgewichen ist, die Detailverliebtheit der Serie ist aber zeitweise fast erschreckend. Nicht nur Gebäude, sondern auch kleine Dinge und Alltagsgegenstände werden entweder von der japanischen oder deutschen Kultur beeinflusst. Dinge, die uns seit den 60er Jahren vertraut sind (Rock’n’Roll beispielsweise), existieren einfach nicht.

Wenn ihr euch ein Bild machen wollt, wie machtvoll die Bildsprache in dieser Serie ist, schaut euch die einzelnen Episoden dieser Playlist an:

Da fällt es einem als Zuschauer nicht schwer, in diese fremde Welt einzutauchen und die Protagonisten auf ihrer gefährlichen Reise durch das Land zu begleiten. Werden sie in der Lage sein, das Geheimnis um den Mann im hohen Schloss zu lösen? Lasst euch überraschen!

15 Minuten Trash

Andy Warhol prägte einst den Ausdruck, dass jeder von uns 15 Minuten Ruhm in seinem Leben hat bzw. haben möchte. Warum heißt nun dieser Beitrag „15 Minuten Trash“? Ganz einfach, weil ich mittlerweile die These vertrete, dass jeder von uns in seinem Leben nicht nur 15 Minuten Ruhm, sondern auch 15 Minuten Trash benötigt. Warum? Ich vermute, dass in jedem von uns das Bedürfnis steckt, sich auf Kosten anderer zu amüsieren.

Castingshow Zeitungen

Einer der Hauptgründe ist sicherlich, dass wir uns besser fühlen, wenn wir vermittelt bekommen, dass es anderen Leuten schlechter geht als uns selbst. Warum wohl schalten jedes Jahr immer wieder die Leute ein, um zu sehen, wie im australischen Dschungel die Teilnehmer mit Maden, Spinnen und ähnlichem Ungeziefer „behandelt“ werden? Weil wir uns ekeln und lustig machen wollen, welche armen Tropfe sich da jedes Jahr für so einen Unsinn hergeben. „Deutschland sucht den Superstar“ lebt ebenfalls davon, dass sich Leute von einem früheren Popstar, der heute selbst keine einzige Zeile Text mehr trällert, niedermachen lassen.

In jeder Castingshow treffen also gleich zwei Bedürfnisse aufeinander, die der Teilnehmer, die nach den 15 Minuten Ruhm in ihrem Leben gieren, und die der Zuschauer, die sich daran ergötzen, dass sich die Ruhmsüchtigen zum Kasperl machen. Ganz gleich, ob gesungen wird, die Laufstege der Welt erobert werden oder die Liebe seines/ihres Lebens gefunden wird – Emotionen sind das wichtigste. Wieviel davon echt ist, erfährt der Zuschauer nie (und es interessiert ihn im Grunde auch nicht). Hauptsache, er hat die Gelegenheit, mit seinen „Helden“ entweder mitzuleiden oder gnadenlos über sie zu lästern.

Das Leben schreibt hier schon lange nicht mehr das Drehbuch, sondern die Regie der jeweiligen Show. Klischee reiht sich an Klischee, es wird geweint, geschrien, gefreut und gelacht auf engstem Raum – und der Zuschauer ist (fast) immer mittendrin. Was sich hinter den Kulissen abspielt, ist ein mehr oder weniger offenes Geheimnis. Ab und zu dringt etwas durch, wenn beispielsweise sich wieder mal ein Möchtegern-Model aus einem Knebelvertrag mit Heidi Klums Papa herausklagt. Und selbst das klingt oft nur wie der Abschluss einer gelungenen Soap Opera, die uns mehrere 100 Folgen lang durchs TV-Leben begleitet hat.

Der kleine, aber feine Unterschied war bisher, dass wir genau gewusst haben, wo Schauspieler und wo Menschen wie du und ich am Werk sind. Mittlerweile ist das nicht mehr so eindeutig. „Wien – Tag & Nacht“ ist beispielsweise ein sogenanntes „Scripted Reality“-Format, wo eine Reality Show nur vorgetäuscht wird, die einzelnen Szenen in Wirklichkeit aber von Schauspielern nach Regie-Anweisungen gespielt werden. Als Zuschauer ist man hier meist nicht mehr in der Lage, auseinanderzuhalten, was man vor sich hat … Aber seien wir ehrlich: Die meisten wollen es auch nicht. Unterhaltung ist eben Unterhaltung. Bedenklich wird es meiner Meinung dann, wenn man nicht mehr in der Lage ist zu erkennen, welches X einem da für ein U vorgemacht wird.

Aber kehren wir zum Thema zurück 😀 : Ich liebe meine 15 Minuten Trash. Ich habe zwar nur sieben TV-Sender zur Auswahl, habe damit die meisten Castingshow-Formate noch nie gesehen (Manche will ich auch nicht sehen), aber ich bekenne mich zu meinem wöchentlichen Comedy-Format namens „Germanys Next Top(f)model“. Ich amüsiere mich königlich, was für Unsinn die Mädels dort anstellen (müssen), um wieder in einer weiteren Folge dabei sein zu können.

Ich sehe die jeweils aktuelle Episode in der Regel zwar erst zwei Tage später, aber das stört mich nicht. Ich lache über die Klischees, die dort mit schöner Regelmäßigkeit gezeigt werden – und stelle am Ende fest, dass genau aus diesem Grund das Finale mit Abstand die langweiligste Folge einer ganzen Staffel ist. Es gibt ja nichts mehr Interessantes, keine Emotionen, keine Streitigkeiten und keine Tränen mehr 😉 …